Judge Dredd: Dredd Vs Death

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
Vivendi
Entwickler
Rebellion
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
16
Judge Dredd: Dredd Vs Death [XBOX , looki.de]

Gesamtwertung

60%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Mangelhaft

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

Judge Dredd: Dredd Vs Death

Kein Gruselshocker, kein Survivalabenteuer aus dem Hause Konami oder Capcom kann gestandene Schreiberlinge so in Angst und Schrecken versetzen wie die Worte Lizenzspiel. Nach unzähligen, desaströsen Versoftungen bekannter Namen versucht nun Rebellion mit Judge Dredd: Dredd Vs. Death Comic-Fans in aller Welt mit einem ansprechenden Spiel zu beglücken. Ob es den Engläländern geglülückt ist, verrät unser Testbericht...

Der Preis für Recht und Ordnung wird mit der Freiheit bezahlt – zumindest in der düsteren Zukunftsvision Judge Dredd von Gordon Rennie. Nach einem Nuklearschlag steht die Menschheit an der Schwelle zum Abgrund. Überbevölkerung, Armut und Umweltverschmutzung drohen täglich die letzte verbliebene Bastion menschlicher Zivilisation, Mega-City One, ins Chaos zu stürzen. Dies führt dazu, dass unser liberales Rechtssystem der Vergangenheit angehört. So genannte Judges durchstreifen die regenverhangenen Gassen der Großmetropole und sind Polizist, Richter und notfalls Henker in einer Person.

Genau einen solchen Judge übernehmt ihr in Rebellions neustem Egoshooter Judge Dredd: Dredd Vs Death. Das Spiel bedient sich in Sachen Hintergrundgeschichte recht stark an der erfolgreichen Comic-Reihe, wobei Dredd-Neulingen durch allerlei Zwischensequenzen zwischen den einen einzelnen Missionen in die nie ganz ernstzunehmende Handlung eingeführt werden. Kenner des Sylvester Stallone-Films sollten übrigens umdenken und weniger Action und mehr Persiflage erwarten. Einzig die deutsche Synchronstimme des US-Schauspielers weckt Erinnerungen an die Filmadaption, was angesichts deren Qualität jedoch als Vorteil gewertet werden kann.

Grafisch bestehen die manchmal mehrminütigen Zwischensequenzen zwar aus vorberechnetem Bildmaterial, jedoch hat Rebellion bewusst auf eine Optik in Ingame-Grafik gesetzt, um einen fließenden Übergang zwischen Storytelling und eigentlichen Spielszenen zu schaffen. Da die Optik von Judge Dredd insgesamt überaus hochwertig ausgefallen ist, theoretisch eine gute Idee. Gerade die hochauflösenden Texturen der ironischen Plakatwände, sowie der exzessive Gebrauch von Multitexturen und Partikeleffekten bekommt man so auf der PlayStation2 selten zu Gesicht. Zu dem EyeCandy gesellt sich noch eine stellenweise bombastische Weitsicht, sowie allerlei animierter Details. Wenn man sich zwischen den Hochhäusern von Mega-City One bewegt und Dutzende von Gleitern an einem vorbeisausen, fühlt man sich direkt in die futuristische Welt der Judges hineingezogen. Wenn da nicht die Framerate wäre: scheinbar meinte man es bei Rebellion zu gut mit der PlayStation2 und hat die leicht betagte Hardware über ihr Limit strapaziert, was zu einer konstant niedrigen Bildwiederholungsrate führt.

Hierdurch hat man nicht selten das Gefühl, dass man durch die sehr langläufigen Levelabschnitte kriechen würde. Der gemächliche Spielfluss wird dabei durch einige Spielelemente noch verstärkt. Da man als Dredd auf der Seite des Gesetzes steht, sollte man tunlichst vermeiden, Leute mit nur geringen Strafttaten – in Mega-City One ist niemand unschuldig – absichtlich niederzustrecken. Kleinganoven geben daher auch schon nach ein zwei Drohungen und Warnschüssen auf und lassen sich auf Knopfdruck verhaften. Leider dauert dieser Vorgang bis zu zehn Sekunden und selbst die witzigen Haftgründe und Sprüche von Judge Dredd gehen einem nach der zehnten Wiederholung gehörig

auf die Polizeimarke. Doch nicht nur hier verkommt der Actiontitel zum Kaffeekränzchen, auch die Schusswechsel erweisen sich als überraschend gemächlich.

Selbst mit stärkeren Waffen, wobei ihr immer nur zwei Waffen gleichzeitig mit euch herumtragen könnt, benötigt ihr meist ein komplettes Magazin, bis euer Widersacher das Zeitliche segnet. Danach heißt es dann erst einmal nachladen, wobei Dredd selbst in den brenzligsten Situationen die Ruhe selbst ist und mit äußerster Sorgfalt seine Waffe schussbereit macht.

Angesichts der hirntoten Gegner, die sich euch in die Quere stellen, mag dies jedoch nur fair sein. Eure Widersacher bewegen sich durch die Bank in Pac Man-Manier geradewegs auf euch zu. Kugeln scheinen wohl kein echtes Argument zu sein, um auszuweichen. Zudem neigen die Straßenpunks, Vampire und Mutanten auch dann und wann einer echten Motivationsschwäche zu unterliegen und warten geduldig vor euch, während ihr eure Magazine entleert. Echte Gefahr entsteht entsprechend nur durch die schiere Masse eurer Feinde, welche gerne im Dutzend auftauchen.

So intelligent die Gegner, so anspruchsvoll ist dann auch das Leveldesign. Wenngleich die Abschnitte meist abwechslungsreich modelliert wurden und euch vom finsteren Gefängnistrakt bis hin zur blühenden Zukunftsmetropole allerlei Szenarien geboten werden, so sind alle Abschnitte doch extrem linear ausgefallen und Rätsel sind absolute Mangelware, sieht man von den üblichen Schalterdrückspielchen ab. Falls ihr trotzdem einmal nicht weiterwisst, hilft eine Markierung auf dem Bildschirm, euer nächstes Einsatzort zu finden.

Wen die Schießbudengegner im Story-Modus auf Dauer langweilen, hat die Möglichkeit mit bis zu drei weiteren Mitstreitern sich in diversen Mehrspielermodi zu messen. Der Titel bietet dabei mit Deathmatch, Elimination oder Capture the Flag typisches Genre-Einerlei, wobei die suboptimale Framerate in diesen Abschnitten endgültig Richtung Gefrierpunkt tingelt und nur wirklich hartgesottene Dredd-Fans sich die Ruckelorgie mehr als ein paar Minuten antun werden. Gleiches gilt für den Arcade-Modus, welchen ihr nach und nach frei schaltet und der simple Actionkost in kleinen Arenen ohne große Hintergrundgeschichte bietet.

Zumindest akustisch muss sich der Titel nicht verstecken. Zwar wiederholen sich die Sprüche eurer Spielfigur recht häufig, dafür ist gerade die deutsche Synchronisation erfreulich gut ausgefallen. Stellt ihr eure PlayStation2 im Menü auf Englisch, könnt ihr wahlweise auf die Originalstimmen zurückgreifen – multilingual-DVD sei Dank! Sound und Musik hauen zwar nicht vom Hocker, sind jedoch auf hohem Niveau. Gleiches gilt auch für die Anpassung an das europäische Bildformat. Wahlweise steht euch ein 60 Hz-Modus zur Verfügung und selbst in 50 Hz sucht ihr störende PAL-Balken mit der Lupe.

Fazit

Wegen mangelhafter Ausführung Lebenslänglich, würde Richter Dredd selbst urteilen. Die Shooter-Adaption zur bekannten Comic-Reihe kann anfangs zwar dank wirklich netter Optik, sowie der gelungenen Einbindung der sarkastisch-schönen Hintergrundgeschichte punkten. Aufgrund der ungenauen Steuerung, starken Ruckeleinlagen und nicht zuletzt Gegnern, deren IQ knapp unterhalb der Zimmertemperatur liegt,

vergeht einem schon nach kurzer Zeit die Lust an der futuristischen Verbrecherjagd. Zudem sucht man neue Ideen mit der Lupe und die wenigen Vorhandenen stellen sich

alsbald als Spielspaßkiller heraus. Während es anfangs noch amüsant ist, Gegner via markanten Spruch zur Aufgabe zu überreden, verkommt der ewig gleiche und zudem langwierige Ablauf solcher Verhaftungen schon bald zur Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Aushilfspazifisten. Fans des Franchise schauen aufgrund der netten Präsentation einmal rein, Freunde hochwertiger Shooterkost vertreiben sich derweil die Zeit mit TimeSplitters 2 oder den Bond-Titeln aus dem Hause Electronic Arts und hoffen auf Sonys Prestigetitel Kill Zone.

Judge Dredd: Dredd Vs Death [XBOX , looki.de]

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