Midtown Madness 3
Heute Paris, Morgen Washington
Midtown Madness 3 ist kein klassisches Rennspiel, denn es gibt keine Rennstrecken im eigentlichen Sinn, vielmehr bewegt ihr euch, je nach Spieltyp mehr oder weniger frei durch zwei detailliert gestaltete Städte. Fans amerikanischer Metropolen freuen sich auf Washington D.C, während Anhänger europäischer Kultur die Sehenswürdigkeiten von Paris bewundern dürfen.
Die Darstellung der bekannten Attraktion ist ebenso wie die Anordnung von Objekten und Straßen extrem realistisch gestaltet worden, so konnten wir uns schon nach kurzer Zeit locker an den markanten Punkten von Paris orientieren. Jeder der schon einmal in einer der beiden Städte Urlaub gemacht hat, wird sie sofort wieder erkennen, inklusive funktionierendem U-Bahn Netz, das auch befahren werden darf. Auf den Straßen herrscht reger Verkehr und Fußgänger schlendern durch die Gassen und Parkanlagen der Metropolen.
Die Einzelspieler Spielmodi
Vor Beginn einer Karriere empfiehlt es sich auf jeden Fall die Städte im Tour Modus zu erforschen, denn nur wer die effektivsten Wege und Abkürzungen kennt, wird eine erfolgreiche Karriere als zwielichtiger Botenfahrer hinter sich bringen können. In den Einzelspielermodi Tour, Blitz (Rennen gegen die Uhr) und Kontrollpunkt (Chekpoint Rennen gegen andere Fahrer) lassen sich Ort, Verkehrsdichte, Polizeipräsenz und Witterung frei einstellen.
Zentraler Kern ist aber der sogenannte Undercover Modus in dem Ihr als verdeckter Ermittler eine Karriere von Pizza-Auflieferer bis hin zum Privatdetektiv durchlebt. Die einzelnen Aufgaben setzten sich dabei stets aus den Variationen von Blitz- und Kontrollpunktrennen zusammen. Habt Ihr je 5 Missionen erfolgreich gemeistert gehts mit der nächsten Stufe weiter. Als Lohn für euere Mühen werden immer wieder Goodies wie neue Autos, insgesamt gibt es 30 Fahrzeuge, oder neue Lackierungen freigeschaltet. Letztere lassen sich im Tourmodus an gut versteckten Stellen in den riesigen Städten finden also Augen auf im Straßenverkehr. Wie schon erwähnt sind einige Aufgaben im Undercover Modus hammerhart, so dass man des öfteren erst nach den optimalen Wegen zum Ziel suchen muss.
Dabei hilft eine zoombare Karte am unteren Bildrand, die spontan an das Kartendesign der GTA Serie erinnert. Neben den Kontrollpunkten sind hier auch alle wichtigen Sehenswürdigkeiten und die Position der Gegner ersichtlich. Insgesamt eine sehr gute Umsetzung, die eigentlich immer für die nötige Übersicht sorgt. Natürlich sind Feinheiten wie befahrbare Hausdächer nicht aus der Karte ersichtlich, hier müsst Ihr schon selbst auf Erkundungstour gehen. Und es gibt wirklich viel zu sehen, neben Loopings, Schanzen und anderen Schmankerl lässt sich auch eine gemütliche Runde Auto-Fußball im Park spielen, besonders mit mehreren Mitspielern ein Riesenspaß. Man hat sich also um Abwechslung bemüht, dennoch verliert das Spiel im Solo Modus nach einiger Zeit an Reiz, aber keine Sorge, es gibt ja noch eine umfassende Multiplayerunterstützung.
Ob mit oder ohne Live es macht Spaß.
Eines gleich vorweg, in sämtlichen Mehrspielermodi habt ihr von Anfang an alle Fahrzeuge zur Verfügung, eine in unseren Augen erfreuliche Eigenschaft von Midtown Madness 3. Neben Kontrollpunkt und Tourrennen für bis zu 8 Spieler stehen über System Link oder Xbox Live die Spielarten Kampf ums Gold (eine Art Capture the Flag), Fangen (wer vom Jäger erwischt wird scheidet aus) und Jäger (werdet Ihr gerammt so werdet ihr auch zu einem jagenden Polizeiauto, wer als letztes übrig ist gewinnt) und Stayaway (Fangen mit umgekehrten Rollen) zur Auswahl. Je nach Belieben wird die größe des Spielgebietes und die verfügbaren Autos vom Host bestimmt. Wir empfehlen Müllwagenrennen durch Paris, oder Feuerwehrtouren durch Washington ein garantierter Spaß für alle Beteiligten. Einziger Wehrmutstropfen im ansonsten wirklich hervorragend gelungenen Mehrspielermodus ist die Tatsache, dass es keinerlei Strassenverkehr oder Passanten gibt, wobei dies wohl neben technischen Problemen auch Schwierigkeiten beim Gameplay verursacht hätte, denn ein Verkehrschaos währe vorprogrammiert. Insofern kein echter Nachteil, aber als Option hätten wir uns belebte Städte im Mehrspielermodus schon gewünscht.
Simulation oder Arcade?
Midtown Madness 3 ist ganz klar auf ein actionlastiges Gameplay ausgelegt. Die Autos steuern sich wunderbar eingängig, es gibt auch ein gut gelungenes Schadensmodell, dass sich jedoch nur minimal auf die Fahreigenschaften eueres Fahrzeugs auswirkt. Dennoch gibt es deutlich fühlbare Unterschiede im Fahrverhalten der einzelnen Vehikel, hier wurde ein guter Kompromiss aus Simulation und Arkadeaspekten gefunden. Euch stehen 4 verschiedene Ansichten, zur Verfügung. Eine nahe und eine weite Außenansicht und 2 Innenperspektiven mit Stoßstagen und Motorhaubenblick. Alle haben sich als gut spielbar erwiesen, wobei die Innenkamera ein intensiveres Fahrgefühl vermittelt. Das bei einem Rennspiel relevante Geschwindigkeitsgefühl wird angemessen umgesetzt, was besonders gut zur Geltung kommt, wenn Ihr mittels rechtem Analogstick während der Fahrt zur Seite, nach oben oder nach hinten schaut. Ansonsten ist die Belegung des Xbox Controllers aus anderen Rennspielen bekannt, Gas und Bremse liegen auf den Schulterknöpfen während mit den Analog Buttons geschaltet und mittels Handbremse um Ecken gedriftet wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Arcadelastigen Gameplays wird bei der Kollisionsabfrage deutlich, während einige Objekte, wie z.b. Bäume bei niedrigen Geschwindigkeiten ein Hindernis darstellen, werden sie bei größerem Speed durchlässig. Für diese anfangs störende Designentscheidung von Entwickler Digital Illusions ist man später dankbar, denn so wird das Spiel um einiges flüssiger. Es kommt aber trotzdem in seltenen Fällen zu Situationen bei denen man sich irgendwo festgefahren hat, dann hilft meist nur der Neustart des Levels.
Größter negativer Punkt ist das im Spiel verwendete Physiksystem, so fliegen gerammte Autos oft sehr unrealistisch durch die Gegend, während eure Fahrtrichtung kaum beeinträchtigt wird. In diesem Bereich der korrekten Unfallphysik stellt Burnout 2 eindeutig die Referenz dar. Seltsamerweise funktioniert die Physik ansonsten sehr gut, quasi jedes bewegliche Objekt lässt sich auch verschieben oder umwerfen nette Details wie umherfliegende Briefe aus Postkästen gehören dazu.
Wie sieht das Ganze optisch aus?
Grafisch zeigt sich das Spiel grundsolide und in anbetracht der Größe der Szenarien auf hohem technischen Niveau. Die Qualität der Texturen, besonders die der Sehenswürdigkeiten, ist hervorragend, wenn es auch den normalen Objekten etwas an Abwechslung fehlt. In echt sieht ja auch nicht jedes Kiosk gleich aus. Die Darstellung der Autos ist gelungen, erreicht aber nicht das Referenzniveau eines Racing Evoluzione. Lichteffekte werden besonders bei Nachtfahrten reichlich eingesetzt, ebenso wie andere grafische Effekte, wie Bumpmapping auf den Straßen. All diese Pracht wird allerdings mit einem deutlich sichtbarem Bildaufbau erkauft, so sieht man hohe Objekte wie den Eifelturm erst aus einiger Nähe. Auch bei der Sichtweite wurden einige Kompromisse gemacht, dennoch ist diese für ein gutes Spielerlebnis vollkommen ausreichend. Auch die furchtbar schlichte Darstellung des Wassers hat einen großen Rüffel verdient. Slowdowns konnten wir im Singleplayermodus]nur sehr selten registrieren, lediglich ein gelegentliches kurzes Stocken beim Wechsel der Musikstücke fällt negativ auf.
Im Multiplayermodus spielt es sich im Splitscreen nicht ganz so flüssig, allerdings via Xbox Live oder System Link absolut ohne Geschwindigkeitseinbußen und mit voller Voice Unterstützung. Auch hier tritt allerdings ein kurzes Stocken auf, wenn man einen Gegner rammt und dessen Status im Spiel geändert wird. Dies ist störend, aber keine Katastrophe in Anbetracht des ansonsten flüssigen Spielablaufs.
Sound und Musik
Die vom Spiel angebotene Musik ist zwar passend und durchaus hörbar, wird aber recht schnell nervig. Zum Glück bietet Midtown Madness 3 die Option eigene Soundtracks zu verwenden. Leider sind diese nur im Hauptmenü auswählbar, zudem hat das Programm Probleme bei der Regelmäßigkeit der Auswahl der Musiktitel, so dass Ihr einen Titel öfter als einen anderen hören werdet, hier hilft nur die Änderung der Reihenfolge der Songs in der Playlist. Die Soundeffekte sind sehr gelungen und die Wiedergabe in feinem Dolby Digital 5.1, entsprechende Hardware vorausgesetzt. Witzig ist die Sprachausgabe, während euch erboste Passanten nachrufen, sprechen eure Gegner unf Fahrgäste teilweise mit übertriebenen französischem Akzent und die Polizei koordiniert über Funk ihre Vorgehensweise. Alles in allem also ein soundtechnisch gelungenes Stück Software.
Fazit
Ich mochte die beiden Vorgänger auf dem PC und auch die neue Fassung für die Xbox hat mir viel Spaß gemacht. Allerdings ist die Wahl von Washington D.C als Spielort für nicht US Staatsbürger nicht optimal, hier hätte man sich besser für bei uns bekanntere Städte wie New York oder San Franzisko entscheiden sollen. Vielleicht erwartet uns ja ähnliches im kommenden Download Content für Xbox Live Abonnenten. Man merkt schon, eigentlich habe ich an Midtown Madness 3 nichts gravierend negatives auszusetzen, das Spiel leidet im Wesentlichen unter der seltsamen Crash Physik und einigen kleineren Problemen wie der ab und an frustrierenden Kampagne und der recht banalen Story. Auch wäre Straßenverkehr in den Multiplayermodi eine nette Ergänzung gewesen und angesichts der Breitbandverbindung von Xbox Live wohl auch technisch möglich. Dennoch hat DICE für die Microsoft Game Studios nach Rallysport Challenge wieder eine hervorragende Auftragsarbeit abgeliefert, die besonders mit menschlichen Mitspielern Suchtpotential entwickelt. Wir sind gespannt was die Schweden uns mit dem kommenden Rally Sport Challenege 2 auf den Bildschirm zaubern werden.
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