Gesamtwertung68%/10 |
GrafikBefriedigend SoundAusreichend |
LanzeitspaßAusreichend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Auf ein Neues
1999 blies Microsoft zum Großangriff auf Electronic Arts. Pünktlich zum gewinnträchtigen Weihnachtsgeschäft brachte man für die drei bekannten amerikanischen Sportarten Football, Basketball und Eishockey einen eigenen Vertreter auf den Markt, um dem Quasimonopolisten Marktanteile im Sport-Genre abzunehmen. Nachdem der erste Versuch nicht zuletzt mangels der nötigen Produktqualität zum Scheitern verurteilt war, versucht man es erst zum Release der firmeneigenen Konsole Xbox erneut und kassierte mit den 2002-Versionen erneut eine Abfuhr von den Käufern.
Mit NBA Inside Drive 2004 steht uns nun der dritte Versuch ins Haus und aufgrund von Electronic Arts konstanter Xbox Live-Abstinenz scheint der dritte Versuch von Entwickler High Voltage erstmals mit einem echtem Kaufargument aufzuwarten zu können.
Technik made in Augsburg
Der Hauptkritikpunkt der Serie bleibt jedoch auch bei der 2004-Version erhalten. Noch immer ist die Präsentation des Basketball-Sports extrem bieder ausgefallen und bleibt im direkten Vergleich deutlich hinter der Genrekonkurrenz. Die Vorstellung der einzelnen Spieler ist extrem uninspiriert ausgefallen und auch die Technik auf dem Platz erweist sich nach kurzer Spieldauer als unausgegoren. Zwar können die einzelnen Spielerfiguren gerade bei den Spitzenstars der NBA durchaus überzeugen und auch die Stadientexturen setzen auf der Xbox neue Maßstäbe, dafür hapert es jedoch deutlich an den Spieleranimationen.
Während die Dunkings-Animationen noch recht ansprechend gelungen sind, wirken gerade die Lauf- und Dribblingsequenzen abgehackt und wecken Erinnerungen an die frühe Kindheit mit der Augsburger Puppenkiste. Spieler schweben scheinbar übers Parkett und können den Ball schon weit vor ihren Händen dank telepathischer Kräfte abbremsen.
Ebenfalls alles andere als mustergültig ertönt der akustische Part des Spiels. Die HipHop-Musik in den Menüs besteht durch die Bank aus Stücken unbekannter Interpreten und stört bestenfalls nicht. Selbst Fans der Musikrichtung dürften die wenigen und sich damit ständig wiederholenden Stücke nach wenigen Stunden gehörig auf die Nerven gehen. Im Spiel selbst erwarten euch ein erschreckend-emotionsloses Publikum, welches scheinbar überhaupt nicht auf die Ereignisse auf dem Court reagiert, sowie die Moderatoren Kevin Calabron, Marques Johnson und Kenny Smith. Dieses Trio Infernale unterbietet alle bisherigen Leistungen in Sachen Spielmoderation, die man je in einem Sportspiel ertragen musste. Dies liegt weniger an ihrer Treffsicherheit meist stimmen die Kommentare mit den Spielsituationen überein als vielmehr an den übertrieben auf witzig getrimmten Dialogen. Glücklich kann sich dabei der schätzen, der im Englischunterricht nicht aufgepasst hat. Die Moderation ist wie das gesamte Spiel nicht für Deutschland lokalisiert worden, so dass ihr euch mit englischen Sprechern zufrieden geben müsst. Zumindest die Soundeffekte können überzeugen. Die Zurufe der Spieler untereinander sowie die Dribblinggeräusche wirken glaubwürdig und ertönen mit der entsprechenden Heimanlage in feinstem Dolby Digital 5.1.
Während die Technik nicht mit den aktuellen Versionen von NBA Live und ESPN NBA Basketball mithalten kann, liegt der größte Fauxpas von NBA Inside Drive 2004 jedoch in der Aktualität des Spielerauswahl verborgen. Sind die Spielerdaten für Fans des Sports seit jeher ein wichtiger Kaufgrund, kommt NBA Inside Drive 2004, obwohl als letztes der drei Spiele erschienen, mit der ältesten Spieleraufstellung auf den Markt. Zwar könnt ihr via Xbox Live kostenlos aktuelle Spielerdaten nachladen, dennoch wird man hier das Gefühl nicht los, Microsoft hätte künstlich nach einem Grund gesucht, die Download-Fähigkeit ihres Online-Services unter Beweis zu stellen.
Und nun noch mal langsam, Coach!
Das eigentliche Gameplay zeigt sich grundsolide, ohne jedoch wirklich auf Dauer fesseln zu können. Die arcadelastige Steuerung gönnt auch Anfängern frühe Erfolgserlebnisse und vor allem das schnelle Pass-System überzeugt. Zwar ist das Anspielen spezieller Spieler manchmal etwas umständlich, da hierfür die schwer erreichbaren Schwarz-Weiß-Tasten des Xbox-Pads gebraucht werden, dafür klappen Lobs und vor allem der Doppelpass problemlos.
Geradezu mustergültig wurde die Einbindung der Teamtaktik gelöst. Nicht nur verfügt Inside Drive 2004$ über ein umfangreiches Playbook, aus welchem ihr auch ohne eigene Einstellungen schnell die richtige Taktik auswählen könnt. Auch könnt ihr dank direkter Ansteuerung von bis zu vier verschiedenen Spielabläufen via Digitalkreuz euer Spiel schnell und effizient der gegnerischen Taktik anpassen.
Leider ist dieser an sich schöne Kniff fast komplett unnötig, da das Spiel leider so schon zu einfach ist. Zwar könnt ihr aus drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden Rookie, Veteran und All-Stars wählen, anspruchsvoll wird es jedoch bestenfalls auf dem letztgenannten. Dies liegt vornehmlich an der wirklich grausamen künstlichen Intelligenz eurer Recken in der Verteidigung. Egal, ob ihr selbst auf den Korb zulauft oder mit euren Mitstreitern wieder in Ballbesitz kommen wollt, meist laufen die vom Computer gesteuerten KI-Recken wie aufgeschreckte Hühner über den Court. So müsst ihr in der Verteidigung zusehen, wie ihr euch unverschuldet einen Korb einhandelt, während es im Angriff meist reicht, auf den gegnerischen Korb zu stürmen und im schlimmsten Fall mit Hilfe einiger Dribblings sich den Weg frei zuspielen. Stellungsspiel und schnelles Pass-Spiel wie bei dem SEGA-Pedanten sucht ihr in NBA Inside Drive vergeblich.
Die einzige Antwort der computergesteuerten Abwehr auf einen eure Angriffe sind Fouls. Aufgrund der rigiden KI-Schiris sorgt dies für Freiwürfe im Akkord. Zwar verliert das Spiel hierdurch spürbar an Tempo, dennoch könnte man diesen Kniff zumindest ansatzweise verzeihen, wenn das Freiwurfsystem nach einem Foul zumindest überzeugen könnte. Jedoch hat sich Entwickler High Voltage am System alter Golfsimulationen bedient, so dass ihr für einen 3-Punkte-Wurf nur drei Mal in Folge zum richtigen Zeitpunkt den Wurfknopf drücken müsst. Wer schon ein oder zwei Golfsimulationen gespielt hat, sollte spielend wirklich jeden Ball versenken.
Online oder Meisterschaft?
So simpel das Gameplay auf dem Platz, so einfach der Franchise-Modus des Spiels. Zwar könnt ihr in Inside Drive 2004 bis zu 25 Seasons in Folge spielen, wobei ihr die Partien entweder selbst bestreitet oder simulieren lassen könnt. An die Optionsvielfalt der Genrekonkurrenz kommt das Microsoft-Produkt jedoch auch hier nicht heran. Zwar ist ein Spielerhandel möglich und wahlweise lassen sich Wunschspieler mittels Editor erstellen, dies war es jedoch auch fast schon. Einstellungen in der Taktik bei simulierten Spielen sucht ihr ebenso vergebens wie ein spannendes Rookie-System. In der Off-Season sucht man sich einfach eine Hand voll Neuzugänge aus. Die Leistungsdaten stehen schon von Beginn an fest, so dass die Spannung, eine potentielle Neuentdeckung an der Hand zu haben, sofort erlischt.
Wer seinen Xbox Live-Account nicht nur zum Download der aktuellen Spielerdaten nutzen will, kann selbstredend auch online gegen bis zu drei weiteren Spieler antreten. Das Spiel nutzt dabei Microsofts neuen XSN-Serivce, welcher über einen umfangreichen Statistikpart verfügt. Hierüber könnt ihr nicht nur einfach neue Gegenspieler suchen lassen, sondern auch an Turnieren teilnehmen oder euch in diversen Ranglisten hochkämpfen. Leider leidet das Onlinespiel selbst mit einer Standleitung unter häufigen Lags, was NBA Inside Drive 2004 zwar nicht unspielbar macht, aber den Spielfluss spürbar hemmt. Lagfrei sind dagegen die Offline-Duelle im hauseigenen Xbox-Netzwerk oder mit der gleichen Anzahl an Mitstreitern an nur einer Konsole.
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