Need for Speed: Most Wanted

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Erscheinungsdatum
-
Genre
Racing
USK
12
Need for Speed: Most Wanted [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Need for Speed: Most Wanted

Reden ist Silber…

…und Schweigen ist Gold. Das wird sich wohl fast jeder Motorsportbegeisterte zu Beginn seiner NfSMW-Karriere sagen. Wie soll man bitte mit einem Protagonisten sympathisieren, der gerade dafür gesorgt hat, dass der wunderschönste BMW, den man jemals in seinem Leben sehen und virtuell fahren durfte, schon wieder weg ist? Kaum ist man nämlich in der neuen Stadt angekommen, Electronic Arts spendiert wie schon in NfS: Underground 2 eine frei befahrbare, relativ große, dabei aber nicht zu weitläufige Stadt, gibt es den ersten Ärger. Nicht nur, dass die Polizei einen von Beginn an auf dem Kieker hat, die Nummer 15 der so genannten Black List fordert den ungeübten Fahrer auch noch direkt zu einem Vergleich heraus. Da man der Neue ist, hat man kaum Freunde, lediglich eine bezaubernde Schönheit in den 20igern nimmt sich des Protagonisten an.

Vor allem, nachdem er seinen Wagen verzockt und es sich einige Zeit lang im Gefängnis gemütlich gemacht hat. Natürlich war das Rennen gegen die Nummer 15 der Black List getürkt, die Polizei machte sich einen Spaß daraus, den Helden einzulochen und der Wagen, sowie dessen Papiere sind weg. Was nun? Ein ehrliches Leben beginnen, mit der Schmach leben? Niemals! In Need for Speed: Most Wanted geht es um Rache, um Ehrgefühl und um demolierte FBI-Wagen. Die Nummer 15 der Black List ist nun übrigens die Nummer 1 und zwar mit dem wunderhübschen BMW, den der Held einst fuhr. Prompt klemmt man sich eines der lizenzierten Serienmodelle unter den Hintern, wobei anfangs zwischen Anfängermodellen, wie dem Golf GTI, gewählt werden darf, und macht sich einen Namen auf der Straße.

Das Ziel ist es, die Black List von hinten aufzurollen und der gefürchtetste und beste Fahrer der Stadt zu werden. Dabei läuft das Ganze immer gleich ab. Bevor man den jeweils nächsten Boss der Black List herausfordern darf, muss eine bestimmte Anzahl von Rennen gewonnen, eine bestimmte Anzahl von Meilensteinen erreicht und ein bestimmter Bekanntheitsgrad unter den Cops erlangt werden. Dabei kann man selbst zu den einzelnen Events fahren oder sich bequem per Klick hinteleportieren lassen.

Neben den bekannten Modi, etwa dem “Rundkurs” oder dem “Drag“-Race, besser bekannt als die Viertelmeile, sind auch neue Spielvarianten hinzugekommen. Diese sind das “Mautstellenrennen“, welches eine Art Time Trial darstellt und euch über die Highways der Stadt schickt, und die “Radarfalle”. Letztgenannter verlangt vom Spieler, schnellstmöglich durch Radarfallen zu rasen, um bei möglichst hoher Geschwindigkeit geblitzt zu werden. Die Ergebnisse der mitgenommenen Radarfallen werden dann addiert. Die höchste Punktzahl gepaart mit der schnellsten Zeit ergeben dann den ersten von vier Plätzen.

Ein Meilenstein in Sachen Gameplay?

Meilensteine sind, wie der Name schon sagt, Ereignisse, die den Menschen im Gedächtnis bleiben. Dazu gehören in NfS: Most Wanted unter anderem spektakuläre Highspeedfahrten durch Radarfallen und weite Sprünge. Nach Verfolgungsjagden mit der Polizei braucht man nicht lange zu suchen. Bei Geschwindigkeitsübertretungen heften sie sich sofort an die Fersen des Fahrers. Auch besorgte Bürger melden Raser. Und wenn man einmal verfolgt wird, dann kriegt man die Cops so schnell nicht wieder los. Zum einen handeln sie sehr teamintensiv und dadurch äußerst intelligent und effektiv, zum anderen irritiert und hilft der Polizeifunk gleichermaßen. Die Stimmen, die aus dem Funkgerät dröhnen, wirken real, so dass man sich tatsächlich verfolgt fühlt. Der Sinn für die Straße geht verloren, man versucht nur noch irgendwie zu entkommen. Bestimmte Punkte auf der Karte kann man durch Umfahren von Objekten zerstören. Dies dient dazu, die Polizisten abzulenken.

Doch auch wenn die Cops den Sichtkontakt verloren haben, heißt das nicht automatisch, dass man wieder frei ist. Vielmehr wird das Gebiet, in dem man zuletzt gesehen wurde, abgesperrt und durchsucht. Lediglich durch eines der zahlreichen Verstecke in der Stadt kann man letztlich entkommen. Dabei sollte man darauf achten, möglichst viel Schaden anzurichten, d.h. Polizeiwagen zu rammen und Sachschaden zu provozieren. Doch je weiter man geht und je dreister man wird, desto intelligenter und vor allem desto zahlreicher werden die Cops. Ein schnelles Auto ist also Pflicht. Und das natürlich nicht nur bei Verfolgungsjagden.

Mit einem Serienauto kommt man nicht weit. Wie schon die Vorgänger bietet auch NfS: Most Wanted umfangreiche Tuningmöglichkeiten, die von der Verschönerung des Äußeren bis zur Ausstattung des Gefährts mit Nitro reichen. Zwar sind nicht mehr so viele Teile aus- und einwechselbar wie bei NfS: Underground 2, dafür ist das Feature nun deutlich übersichtlicher. Große Fehler kann man beim Tuning also nicht mehr machen.

Ist der Lieblingswagen dann schön und stark genug, um mit den schweren Jungs auf der Straße mitzuhalten bzw. den Black List Fahrern die lange Nase zu zeigen und ist man selbst berühmt genug, kann man den jeweiligen Boss herausfordern. Gegen eben jenen fährt man dann zwei Rennen, deren Typ jeweils variiert. Das heißt, manchmal muss man “Drag“, manchmal aber auch “Sprint” fahren. Serviert man den Gegner ab, kann man zur Belohnung zwei von sechs Symbolen wählen, die jeweils eine Art Bonus enthalten. Dabei gibt es Leistungsverbesserungsfelder, die etwa ein spezielles leistungssteigerndes Bauteil für das Vehikel oder eine optische Verbesserung versprechen, und Fragezeichenfelder. Davon gibt es drei. Unter einem Feld verbergen sich die Wagenpapiere des abservierten Black List Fahrers. Unter den beiden anderen lächerliche Geldprämien oder Gimmicks, wie “Du kommst kostenlos aus dem Gefängnis frei!”.

So kämpft man sich bis ganz nach vorn und holt sich letztlich sein Vehikel wieder, welches man bereits zu Beginn besaß. Hätte der Protagonist nur die Klappe nicht zu weit aufgemacht!

Immerhin weiß man den BMW erst dann richtig zu schätzen. Der brüllt zwar wie ein Löwe, liegt aber angenehm auf der Straße, was man von so manch anderem Vehikel nicht unbedingt behaupten kann. Die Steuerung geht zwar locker von der Hand, aber selbst die einfachsten Wagen sollten nicht unnatürlich schlecht steuerbar sein.

Gerade zu Anfang machen Einsteigermodelle, wie der Eclipse, dem Spieler ziemlich zu schaffen, weil sie nur schwer zu kontrollieren sind. Der so genannte “Speeder”, der während einer kurzen Zeit das Geschehen in Zeitlupe zeigt, soll zwar helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen, aufgrund seiner Unausgereiftheit verschlimmert er selbiges aber nur. Und das man die Fahransicht nur im Menü und nicht auf der Strecke umstellen kann, ist ein Hohn!

Was gibt’s außerhalb der Story zu entdecken?

Neben dem “Freie Fahrt”-Modus, der es dem Spieler ermöglicht, ganz unbekümmert durch die Stadt und zu Events zu rasen, bietet NfS: Most Wanted natürlich einen “Schnellspielmodus“. Je nachdem, wie viele Black List Fahrer man bereits besiegt hat, kann man aus zahlreichen lizenzierten Wagen und erfundenen Strecken, sowie dem Renntyp wählen. Dass das allein aber nur wenig Spaß macht, ist klar. Völlig unverständlich ist, dass NfS: Most Wanted keinen Onlinemodus bietet. Der Multiplayer ist zwar ganz gut, mit nur zwei Spielern und altbewährtem Spielprinzip, wie man es aus dem Singleplayer kennt, aber recht eintönig. Da wurde definitiv an der falschen Stelle gespart!

Technisch ganz groß?

NfS: Most Wanted mag gut aussehen auf dem PC und auf der Xbox 360. Fakt jedoch ist, die “älteren” Konsolen haben mit einer stark beschnittenen Version des Rennspektakels zu kämpfen. Das Schadensmodell erinnert nicht an ein solches, die Reibungseffekte, die beispielsweise entstehen, wenn man auf ein anderes Auto prallt, sind übertrieben, erinnern gar an Ridge Racer und die Umgebung wirkt manchmal etwas verschwommen. Nichtsdestotrotz glänzt die Grafikengine. Die Sicht verschwimmt sehr realistisch bei höheren Geschwindigkeiten, die Vehikel sehen grandios aus und auch die Stadt kann als solche ihre Vorzüge zeigen, zumal ja endlich mal Tag ist, kaum ein Haus gleicht dem anderen. Dass einem die Sonne ziemlich oft ins Gesicht scheint, verschönert die Sache noch, kann aber auch auf Dauer ein wenig nerven. Die Zwischensequenzen treiben die obligatorische Story voran und sind ein Highlight des Spiels. Die sehr gute schauspielerische Leistung und die professionelle deutsche Sprachausgabe sorgen für echte Straßenrennatmosphäre. Der wieder einmal geniale Soundtrack, der von Rock, über HipHop bis hin zu Metall alles zu bieten hat, rundet das technische Bild gelungen ab.

Fazit

Need for Speed: Most Wanted. Dieser Titel klingt verdammt gut, doch der Inhalt enttäuscht etwas. Zwar bietet das Spiel alles, was die Need for Speed Serie seit Jahren ausmacht, intelligente Verfolgungsjagden, rasante Rennen, ausgefeilte Tuningmöglichkeiten, eine geniale technische Seite und Racingspaß pur, dafür vermisst man aber schmerzlich die grundlegenden Innovationen. Zwar wurden Ecken und Kanten des Vorgängers ausgemerzt, aber auch Features wie der “Speeder” eingebaut, die das Spielerlebnis etwas beeinträchtigen. Wertungsabzug gibt es vor allem für den fehlenden Onlinemodus. Diese Dreistigkeit stößt an die Grenzen des guten Geschmacks! Ansonsten hat sich nichts wesentliches verändert, außer vielleicht, dass man nun endlich auch am Tag herumdüsen darf. Wer damit aber leben kann, Rockstar macht es schließlich seit Jahren nicht anders, der darf ruhig zugreifen und damit ein exzellentes Spiel erstehen, das aber keinen Innovationspreis mehr gewinnen kann. Und damit fällt auch der Award weg. 

Need for Speed: Most Wanted [XBOX , Justgamers]

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