NFL Street
Pass in die Endzone
Die Amerikaner sind manchmal ein ungewöhnliches Völkchen. Befassen wir Europäer uns in der Jugend mit dem Treten des Balles auf dem Bolzplatz, müssen diese es sich unnötig kompliziert machen und den Ball in die Hand nehmen. American Football ist in den USA weitaus beliebter als Soccer, welches in Europa gespielt wird. Während letzteres oftmals als Mädchensport verstanden wird, handelt es sich beim Football um eine echte Männerdomäne, wo man andere Kerls auch mal umarmen darf, und der Klaps auf den Hintern nicht gleich zu einem blauen Auge und einer Anzeige wegen gleichgeschlechtlicher sexueller Nötigung führt. Die ur-amerikanische Sportart fand auch hier auf dem europäischen Kontinent ihre Anhänger, auch wenn diese dank der relativ komplizierten Spielregeln eher in der Minderzahl sind. EA Sports Big bedient mit der Madden Serie ebenso wie Sega mit den ESPN Titeln dennoch die virtuellen Ball-Strategen. Beim vorliegenden Titel der innovativen Big-Reihe jedoch gibt es eine Besonderheit, die einige von euch schon kennen dürften. Das Spiel wird nicht auf dem offiziellen Sportplatz ausgetragen, sondern alltagstauglich mit nur sieben Mann am Strand, auf Hinterhöfen oder Wiesen. Ganz wie bei NBA Street wird also der Regel-Ballast abgeworfen und der Action-Level hochgeschraubt. Glücklicherweise sind die originalen NFL Teams mitsamt Spielern am Start.
All the Way, Baby!
Wie für Sportspiele nun einmal üblich habt ihr die Wahl zwischen verschiedenen Spielmodi. Neben dem schnellen Match für zwischendurch lassen sich auch ein Pick Up Game, in welchem ihr der Reihe nach eure Mannschaft zusammenstellen dürft, sowie die NFL Challenge anwählen. Hinter letzterem verbirgt sich ein Karriere-Modus, der es euch erlaubt, euer eigenes Team zu kreieren und dieses individuell anzupassen. Mit Hilfe von Attributpunkten könnt ihr die Fähigkeiten eurer Spieler verbessern, um so im Spiel voranzukommen. Diese Punkte erhaltet ihr, indem ihr euch den Challenges stellt: Gegnerische Teams fordern euch auf ihrem Gebiet heraus. Seid ihr siegreich dürft ihr euch nicht nur über die Punkte und somit die bessere Leistung eurer Kameraden freuen, sondern auch über den Erhalt neuer Gimmicks. Dazu gehören Jacken, Mützen, Hosen und andere Accessoires, mit welchen ihr euren Spielern den absolut modischen Hip-Hop-Look verpassen könnt.
Das Gameplay besticht dabei durch seine Einfachheit. Vor dem Snap genannten Anstoß wählt ihr einen Spielzug aus einer in verschiedene Bereiche unterteilten Liste aus. Je nach Vorliebe und Taktik entscheidet ihr euch dabei für einen Lauf- oder Pass-Spielzug. Bei ersterem reicht euer Quarterback die Pille gleich an einen Läufer weiter, der versucht diese über die zehn Yards entfernte Linie zu bringen.
Gelingt dies, erhaltet ihr vier weitere Versuche, um minimal zehn Yards vorwärts zu kommen. Ziel ist es in die Endzone zu kommen und somit einen Touchdown zu schaffen, erst dann werden Punkte gutgeschrieben. Ein Pass-Spielzug funktioniert ähnlich, hier jedoch gebt ihr euren Läufern Zeit sich von ihren Manndeckern zu lösen. Im richtigen Augenblick werft ihr ihnen dann den Ball zu. Gelingt der Fang, solltet ihr lossprinten.
Und hier kommt eine weitere Besonderheit von NFL Street ins Spiel. Seid ihr weit genug vom Gegner weg könnt ihr Styles bringen. Mit einer Hand haltet ihr den Ball fest, während ihr tanzend über den Sand lauft und so dem Gegner eure Überlegenheit zeigt. Ihr spielt quasi mit seinen Gefühlen, und dafür werden euch dann Stylepunkte gutgeschrieben, ebenso wie für gut ausgeführte andere Aktionen. Diese Style Punkte wiederum füllen eure Game er Leiste, die NBA Street Fans noch kennen dürften. Ist diese voll, könnt ihr vor dem Snap den Game er aktivieren, mit welchem absolute Supermoves möglich werden.
Das Spiel selbst geht recht gut von der Hand, auch wenn ihr in der Defensive oft nicht wirklich wisst, wie ihr reagieren sollt. In der Offensive hingegen habt ihr naturgemäß mehr spielerische Freiheit, denn hier könnt ihr das Tempo selbst bestimmen und habt mehr Kontrolle.
Habt ihr vom Alleine spielen genug und den Multi-Tap angeschlossen, könnt ihr auch 3 Freunde dazuholen und das Spiel gemeinsam bestreiten. Onlinefähig ist der Titel leider nicht.
Deine Mutter ist doch Astronaut...
Leichtes Flimmern trübt auf der PS2 wieder einmal ein wenig den ansonsten hohen Spielspass-Faktor. Die übertriebenen Animationen und Gesichtszüge passen gut zum schnellen Spiel, packende Replays lockern das Geschehen auf. In Sachen Grafik kann man also durchaus zufrieden sein, auch wenn der Titel keine Bäume ausreißt.
Dafür steht NFL Street soundtechnisch gut da. Mit gemischtem Soundtrack bekannter Künstler wie den X-Ecutioners, Bravehearts oder Korn wird die richtige Atmosphäre erzeugt. Man fühlt sich gleich auf den Hinterhöfen New Yorks heimisch, wenn aus dem virtuellen Ghettoblaster die passende Musik erschallt. Gut zur Geltung kommen auch die Kommentare die eure Spielfiguren bei erfolgreichen oder misslungenen Aktionen abgeben. So werdet ihr auch schon mal dezent vom Gegner beleidigt oder für eine fette Aktion von euren Teamkameraden gelobt.
Ganz in der Tradition amerikanischen Hinterhof-Sports ist also auch hier Trash-Talking angesagt. White Men cant Jump lässt grüssen. Die wüsten Beleidigungen, die hier eher harmlos daherkommen gehören auf jeden Fall in so eine Art urbanen Spiels.
Fazit
NFL Street bringt dank des neuen Settings abseits des immergleichen Sportplatz-Szenarios ein wenig frischen Wind in das Genre. Die übertriebenen Moves und Animationen bieten mit dem vereinfachten Spielprinzip genug Abwechslung. Das Fehlen von weiteren Möglichkeiten zu punkten, wie Punts und Field Goals, lässt sich verschmerzen, auch wenn manch ein Football-Purist sicherlich die spielerische Tiefe der ESPN-Serie von Sega vermissen wird, denn gerade hier muss man bei NFL Street Abstriche machen. Euer Playbook mit den diversen Spielzügen und Variationen ist ziemlich stark eingeschränkt. Was einerseits der Übersicht dient und auch Anfänger locken soll, entpuppt sich für den Profi als Problem, denn der Variantenreichtum und damit euer Spiel fällt mitunter ein wenig dürftig aus. Einsteiger, die allerdings zum ersten Mal ein Football-Spiel antesten wollen, sollten sich nicht täuschen lassen. Ohne gewisse Grundkenntnisse kommt auch hier schnell Frust auf, wenn man nicht weiß, wie ein Football-Spiel funktioniert. Das Fehlen eines spielbaren Tutorials es gibt nur kurze Videos - soll hiermit bemängelt werden, ebenso wie die nicht integrierte Online Option, die in der US Version noch anwählbar war.
Nichtsdestotrotz macht das Action-Football mit den rabiaten Kerlen und den coolen Stages eine Menge Spaß. Die wuchtigen Tackles, die dank unermüdlicher Rumble-Funktion nach einer Weile auch für den Spieler vor dem Schirm spürbar werden, die irrwitzigen Special Moves und die Einbindung der Umgebung wie herumstehender Surfbretter bieten Spiel-Spaß für Wochen.
Wollt ihr ein wenig mehr über die Regeln im Football wissen klickt einfach hier.
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