Gesamtwertung92%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Die Rückkehr des Ninja
Ryu Hayabusa ist für Tecmo-Fans kein unbeschriebenes Blatt: Neben Gastauftritten in Dead or Alive durfte sich der athletische Ninja bereits Ende der 80er Jahre auf dem Nintendo Entertainment System durch drei schlagkräftige Abenteuer kämpfen, welche damals viele Anhänger fanden. Nun ist er endlich zurückgekehrt und feiert sein erstes eigenes Spiel auf der aktuellen Konsolengeneration. Storymäßig bietet Ninja Gaiden nichts allzu Spektakuläres, denn wie von Team Ninja gewohnt wird nicht sehr viel Wert auf eine abendfüllende Hintergrundgeschichte gelegt, sondern das Gameplay in den Vordergrund gestellt.
Ryu ist der Anführer eines alten Clans, der zwei mächtige Schwerter besitzt und diese vor der Außenwelt versteckt hält, da diese unheilvolles, zerstörerisches Potential besitzen. Eines Tages wird das Dorf unseres Helden während dessen Abwesenheit überfallen und das dunkle Drachenschwert von einem Herrscher namens Doku gestohlen. Natürlich schwört Ryu Rache für seine gefallenen Kameraden und macht sich auf die Reise, um das Schwert zurück zu bringen und sich dem dunklen Imperator im Kampf zu stellen.
Auf seinem Weg in das Vigurianische Reich trifft unser Ninja erwartungsgemäß auf jede Menge Hindernisse und Anhänger des Imperators, welche Ryus Rachefeldzug verhindern wollen. Ninja Gaiden ist ein sehr actionlastiges Spiel und setzt primär auf die zahlreichen Gefechte mit den abwechslungsreichen Gegnertypen. Da unser Held ein ausgebildeter Ninja ist und die entsprechenden Kampfkünste beherrscht, steht euch eine wahre Fülle an Angriffs- und Bewegungsmöglichkeiten zur Auswahl. Beginnt ihr euer Abenteuer mit nur einem Schwert und relativ wenigen Angriffsmöglichkeiten, erlernt ihr im Laufe des Spiels immer neue Kampfmuster.
So findet ihr auch regelmäßig neue Waffen wie die flinken Nunchakus, einen Bogen oder eine Streitaxt, welche verheerenden Schaden anrichten kann. Die verschiedenen Waffen haben dabei unterschiedliche Stärken und es ist durchaus ratsam, in gewissen Situationen auf einen bestimmten Typus zurückzugreifen. Die meisten der Totschläger könnt ihr bei dem ansässigen Händler, welcher euch im Laufe des Spiels mehrmals über den Weg läuft bzw. an bestimmten Statuen besucht werden kann, gegen Geld aufrüsten und somit neue Schlagkombinationen frei schalten.
Trotz seiner Kampfkünste kann sich Ryu auch auf seine magischen Fähigkeiten verlassen, welche er allerdings erst im Laufe seines Abenteuers erlernt. Deren Anwendung ist jedoch begrenzt, da die Ninpo-Magie viel magische Energie benötigt, welche nur mittels selten auftretender roter Essenz oder teuren magischen Tränken aufgefüllt werden kann. Neben den Schwertern und der Magie stehen Ryu allerdings auch nützliche Zweitwaffen wie Wurfsterne oder limitierte Explosivgeschosse zur Verfügung, welche mittels B-Knopf zum Einsatz kommen. All diese Angriffs-Techniken ergeben eine wahre Fülle an Möglichkeiten, um die Gegner zur Strecke zu bringen.
Aber auch ohne Waffen ist Ryu ein sehr agiler Kämpfer. So kann er unter anderem an Wänden entlanglaufen, Salti und andere gewagte Sprungmanöver vollführen oder sich an Stangen und Ästen entlang schwingen. Alle Bewegungen sehen überaus cool und beeindruckend aus und vermitteln dem Spieler wie schon bei Prince of Persia: The Sands of Time oder Matrix das Gefühl, die Kontrolle über eine Art menschlichen Superhelden zu besitzen. Durch die sehr akkurate und feinfühlige Steuerung gehen sämtliche Manöver locker von der Hand und sorgen dafür, dass man in den zahlreichen Kämpfen stets eine passende Antwort zur Hand hat, wenn man das komplexe Steuerungssystem einmal gemeistert hat.
The Legend of Ryu
Ninja Gaiden führt euch in insgesamt 16 Levels, die mehr oder weniger lose miteinander zusammenhängen. Zwischen den meisten Levels treiben sehr aufwändig produzierte vorgerenderte Zwischensequenzen die Story etwas voran, welche nach erstmaligem Durchspielen auch im Menü nachträglich nochmals betrachtet werden können. Der Spielablauf in den einzelnen Abschnitten ist dabei recht ähnlich.
Ihr trefft in den phantasievollen Levels auf allerlei Monster und Krieger, die euch ins Jenseits befördern wollen, was ihr jedoch zu verhindern wisst. Aufgrund der hohen Abwechslung der Gebiete, welche von einem Zeppelin über eine antike Gruft, hin zu einer überfluteten Stadt reichen, sind auch die entsprechenden Gegnertypen sehr vielfältig. Da Ninja Gaiden in erster Linie ein Action-Adventure ist, dürfen auch die obligatorischen Rätseleinlagen nicht fehlen. Dabei gilt es meist, bestimmte Objekte zu finden oder Schalter zu betätigen, aber auch wenige komplexere Rätsel fordern gelegentlich eure ganze Aufmerksamkeit.
Gespeichert wird an festen Punkten, insgesamt stehen euch zehn Slots zur Verfügung. Die Speicherpunkte, welche ihr eifrig ausnutzen solltet, sind in Form einer Statue in regelmäßigen Abständen in den Gebieten verteilt. Neben gelegentlichen Bosskämpfen innerhalb eines Levels warten am Ende jedes Gebietes nämlich fantasievolle Endgegner auf euch, die nicht selten eure eigene Größe um ein Vielfaches übersteigen und aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades meist einige Anläufe benötigen, bis sie erfolgreich bezwungen werden können. Damit ihr nicht vollkommen allein auf weiter Flur steht, könnt ihr euch beim Händler Murasama gegen gutes Geld Tränke kaufen oder wie beschrieben eure Waffen verbessern lassen.
Geld verdient ihr euch in erster Linie durch das Besiegen von Gegner, da diese nach ihrem Verschwinden verschiedenfarbige Essenzen in Form unterschiedlich großer Energiewolken verlieren. Gelbe Essenz erhöht euer Geldkonto, während das blaue Pendant den Gesundheitsbalken etwas auffüllt und die seltene rote Essenz selbiges mit der Magieanzeige tut. Außerdem findet ihr regelmäßig Truhen, die entweder Heiltränke oder andere nützliche Dinge beinhalten. Zudem sind an meist schwer erreichbaren Stellen goldene Skarabäen versteckt findet ihr derer alle 50, könnt ihr die drei ursprünglichen Ninja-Episoden vom NES in emulierter Form zocken.
Auch Ninjas haben es schwer
Aber seht euch vor, denn Ninja Gaiden ist alles andere als ein leichtes Spiel: Anscheinend wollten Tomonobu Itagaki und seine Mannen kein handelsübliches Spiel für Weicheier produzieren, sondern sich auf die guten alten Zeiten konzentrieren. Dies bedeutet, dass ihr vor allem bei den Bosskämpfen mehr als einmal aussichtslos unterliegen werdet und knapp davor seid, das Pad gefrustet in die Ecke zu pfeffern. Allerdings wird Ninja Gaiden zumindest nie richtig unfair, denn meist ist man selbst an einer Niederlage schuld. Hat man einmal das Kampfsystem verinnerlicht und die Angriffsmuster der Gegner verstanden, ist jeder Kampf mit etwas Übung zu meistern. Reine Buttonmasher werden allerdings bereits in den ersten Levels dermaßen Probleme bekommen, dass es keine Aussichten auf ein Erfolg versprechendes Ende gibt. Hier erkennt man, dass Team Ninja für ihre Prügelspiele bekannt sind: Wie bei einem Beatem Up benötigt auch Ninja Gaiden eine kluge und überlegte Herangehensweise.
Was sich bereits bei Dead or Alive 3 angekündigt hat, zeigt sich auch bei Ninja Gaiden. Team Ninja scheint es wie kaum ein anderes Entwicklerstudio auf der Welt zu verstehen, ein Optimum an technischer Leistung aus der Xbox zu holen. Das Spiel gehört definitiv zu den grafischen Referenzen auf der Konsole: Ob Licht- und Feuereffekte, detaillierte Texturen oder die vielfältigen animierten Gegnertypen, kaum ein anderes Spiel konnte bislang eine solche Grafik auf den heimischen Fernseher zaubern. Gepaart mit einem stimmungsvollen Sound, einer intuitiven Steuerung und einer felsenfesten Framerate ergibt sich ein Erlebnis, das sich auch nach der Durchspielzeit von knapp 20 Stunden weiterhin im Kopf festsetzt. Ein kleines Manko ist allerdings die zwar qualitativ gute englische Sprachausgabe, die jedoch nicht einmal deutsche Untertitel vorweisen kann. Lediglich das Menü und diverse andere Texte wurden ins Deutsche übersetzt, Englischunkundige werden also eventuell einige Facetten der ohnehin schon dünnen Story zwangsweise verpassen, was aber sicherlich verschmerzbar ist.
Zwar mag der fordernde Schwierigkeitsgrad nicht gerade jedermanns Sache sein, allerdings ist Ninja Gaiden durch seine hohen Lernkurve und mit etwas kühlem Kopf und Übung trotz allem für jeden zu bezwingen. Wer auch nur ansatzweise auf Action-Adventures oder fernöstlich angehauchte Spielekost steht, der sollte sich Ninja Gaiden unbedingt zulegen unserer Meinung nach ist der auf der Xbox exklusiv erscheinende Titel einer der größten Kaufgründe für Microsofts Heimkonsole.
Ninja Gaiden im Test.
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