Project Gotham Racing 2

Review
Plattform
Microsoft XBOX
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Microsoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Racing
USK
6
Project Gotham Racing 2 [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

90%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Project Gotham Racing 2

Bitte nicht nachmachen! Dieser Spruch wird nicht nur vor jeder Folge Jackass ausgestrahlt, auch Videospiele warnen immer mal wieder davor, die vermeidlich realistischen Handlungen zu Hause nachzuahmen. So unter anderem auch die Project Gotham Racing-Reihe aus dem Hause Bizzare Creations. Und dies nicht umsonst, immerhin gefährdet ihr in dem Arcade-Rennspiel fast im Sekundentakt andere Fahrzeuge durch besonders gewagte Rennaktionen. Wo es nämlich in anderen Rennspielen vornehmlich um die Platzierung im Gesamtfahrerfeld geht, heißt es bei Project Gotham Racing 2: Stil hat Vorrang!

Denn nur wer schnell und stilvoll auf der Piste unterwegs ist, fährt mit möglichst vielen Kudos - Ehrenpunkte für besondere Leistungen – nach Hause, mit welchen sich nach und nach mehr als hundert Fahrzeuge kaufen lassen. Stilvolles Fahren heißt dabei vor allem fehlerfreies Fahren. Euer Wagen nimmt zwar nach heftigen Zusammenstößen schon einmal den einen oder anderen optischen Schaden, aber wie es sich für einen Arcade-Titel gehört, führt eine Berührung mit der Bande oder einem Mitkonkurrenten in der Regel nur zu Geschwindigkeitsverlust. Geplatzte Reifen oder ein vorzeitiges Aus durch einen qualmenden Motor findet ihr in Microsofts Rennspektakel nicht.

Damit die Rennen nun dennoch nicht einen gewissen Anspruch entbehren, greift das Kudossystem ein. Für jeden überholten Gegner, jeden schönen Drift und jedes gewagte Fahrmanöver werden euch Kudospunkte auf euer Konto geschrieben. Zumindest, sofern ihr nicht gegen ein Hindernis fährt. Denn solltet ihr während einer Aneinanderreihung solcher Stunts unverhofft einen Unfall bauen, gehen die Punkte flöten, respektiv die besonders lohnende Kombination wird unterbrochen. Ebenfalls zu einem jähen Ende von dieser führen längere Abschnitte ohne Stunts. Hier gehen die bisher erspielten Punkte direkt auf euer Konto und erst mit der nächsten gewagten Aktion beginnt die nächste Kombinationsreihe.

Während das System für Kenner des Vorgängers kaum Neues bietet, so hat Bizzare Creations die Entwicklungszeit dennoch dazu genutzt, am recht anspruchsvollen System zu feilen und es nun wesentlich spielerfreundlicher zu präsentieren. Fahrfehler bei Kombinationen sorgen nicht mehr zum kompletten Verlust der in der Kombination erfahrenen Punkte und auch die Verteilung ist für den Spieler dank detaillierter Auflistung nach jedem Rennen offensichtlicher.

Neben einem Arcade-Modus, in dem ihr in unterschiedlichen Rennwagenklassen gegen bis zu sieben Gegnern antretet, bietet euch der Kudos-Modus gleich mehrere Disziplinen, in denen ihr euer fahrerisches Geschick unter Beweis stellen müsst. Die Palette reicht dabei vom aus dem Vorgänger bekannten Slalom, bei dem es einzig um die erspielten Kudos und weniger um eure Rennzeit geht, bis hin zu heißen Duellen gegen nur einen Kontrahenten oder dem Blitzrennen, bei welchem ihr ein bestimmtes Geschwindigkeitslimit brechen müsst.

Habt ihr in den Modi erste Erfahrungen mit der arcadelastigen Steuerung hinter euch gebracht, bietet Project Gotham Racing 2 für Besitzer eines Breitband-Anschlusses nun auch einen umfangreichen Mehrspielermodus über Xbox Live. Zwar können Offline-Rennfahrer immer noch via Splitscreen gegen einen weiteren Straßenrowdy antreten oder via Xbox-Netzwerk gänzlich ohne Bildschirmeinschränkungen sieben Mitstreitern zeigen, wo der Auspuff hängt, dennoch bezieht der Titel seinen Hauptreiz aus dem Onlinemodus. Hier ist es den Entwicklern gelungen, einen fast fließenden Übergang zwischen der Online- und Offline-Komponente zu gewährleisten. Ob Menü-Struktur oder Statistiken – alle Elemente des Spiels lassen sich mit oder ohne Xbox Live auf dieselbe Art und Weise auswählen und auch alle liebgewonnenen Live-Features finden sich bei Project Gotham Racing 2 wieder. Ob nun Geisterfahrer, welche ihr bei besonders tollen Leistungen anderen Spielern zum Download anbieten könnt, eine durchwegs überzeugende Spracheinbindung, Matchfinding oder umfangreiche Turniere, welche über Microsoft gehostet werden – nie diente ein Spiel eher als Kaufargument für Microsofts Live-Service, als eben der Edelraser von Bizarre Creations.

Doch nicht nur zur Steigerung des Wettkampfcharakters dient die Live-Einbindung, auch zusätzlicher Content lässt sich online beziehen. Während ihr schon zu Beginn kostenlos den Wagenpark um einige Wagen aufrüsten könnt, verspricht Microsoft in den kommenden Monaten die im Spiel vorhandene Streckenauswahl kostenpflichtig via Onlineservice aufzustocken. Momentan fahrt ihr auf über 90 Strecken in Edinburgh, Moskau, Barcelona, Chicago, Florenz, Hongkong, Washington, Stockholm, Yokohama und Sydney. Spieler aus den hiesigen Breitengraden freuen sich zudem auf besonders harte Rennen in der grünen Hölle vom Nürburgring samt kompletter Nordschleife.

Damit ihr die Lokalitäten auch auf Anhieb erkennt, hat man bei Bizarre Creations die Zeit seit dem Xbox-Release dazu genutzt, an der Grafikschraube zu drehen. Das Ergebnis sind erneut eindrucksvolle Grafiken mit Referenzcharakter.

Ob nun die Darstellung eurer Polygongefährte samt realistischer Lackspiegelungen, die schier grenzenlose Weitsicht mit nur vereinzelten Pop-Ups und Draw-Ins oder schlicht fotorealistische Texturen des Asphalts – grafisch zeigt der Titel, was auf Microsofts Xbox möglich ist. Zumindest fast: Denn ganz ohne Preis kommt die Edeloptik nicht. Nur 30 Bilder pro Sekunde zaubert das Microsoft-System bei Project Gotham Racing 2 auf den Bildschirm, während andere Spitzentitel mit der doppelten Anzahl überzeugen. Als Resultat büßt das Rennspiel einen Teil des Geschwindigkeitsgefühls ein, was vor allem in den höheren und schnelleren Rennklassen spürbar wird.

Zudem krankt auch die Fortsetzung von Project Gotham Racing an einem Problem des Vorgängers: Aufgrund der menschenleeren Straßenzüge – nicht einmal Papp-Bitmap-Zuschauer sind zu erspähen – wirken die Städte künstlich und steril. Zwar bringen nun aufgescheuchte Vogelschwärme, im Wind wehende Bitmap-Bäume und gelegentlich umherkreuzende Schiffe etwas Leben in die Städte, im Vergleich zu anderen Rennspielreihen zieht Gotham 2 hier aber immer noch den Kürzeren.

Gleiches lässt sich auch bei den Tuning-Möglichkeiten sagen. Wie schon mehrfach erwähnt, richtet sich das Spiel vornehmlich an Gelegenheitsspieler, welcher sich nicht stundenlang über das Feintuning ihres Wagens auslassen wollen. Entsprechend beschränkt sich eure Einstellungsmöglichkeit einzig und allein auf die Wahl des Getriebes. Zudem hat das Fahrverhalten zu keinem Zeitpunkt den Anspruch, realistisch zu sein.

Egal Carrera GT oder Mini Cooper S, jeder Wagen steuert sich zwar anders und fühlt sich realistisch an, dennoch ist der Grad der Kontrolle deutlich höher als man es vom eigenen Vehikel her kennt. Doch gerade hierdurch bezieht der Titel einen Großteil seines Reizes. Dank der einfachen Steuerung driftet man wie bei sonst keinem zweiten Rennspiel gezielt durch jede noch so kleine Haarnadelkurve. Hier entsteht Fahrspaß pur, welcher im Gegensatz zum Vorgänger nun auch nicht mehr durch einen übertriebenen Schwierigkeitsgrad gebremst wird.

Wer schließlich mit 300 Sachen an seinen Gegnern vorbeidüst, kann – die nötige Heimanlage vorausgesetzt – der beeindruckenden Soundkulisse des Spiels lauschen. Während die mit individuellen Motorengeräuschen ausgestatteten Wagen dank Dolby Digital 5.1-Unterstützung positionsgetreu an euch vorbeiziehen, könnt ihr entweder euren eigenen Klängen auf der Xbox-Platte lauschen oder genießt mehrere hundert Tracks, welche auf jeweils drei virtuellen Musiksender pro Stadt ausgestrahlt werden.

Wo Gran Turismo ist, will Microsoft mit Project Gotham Racing hin: Auf den Thron des Rennspielgenres. Auch wenn beide Titel spielerisch über deutlich unterschiedliche Ansätze verfügen und sich Gran Turismo gerne als Simulation versteht – oder eher als „Real Driving Simulation“, so der O-Ton von Entwickler Polyphony Digital – so geht es doch in beiden Spielen um schnelle Autos in einer möglichst realistischen Umgebung. Wir hatten die Möglichkeit, uns mit der in Japan erhältlichen Prius Edition der kommenden Gran Turismo-Episode schon vorab einen kleinen Eindruck vom Project Gotham 2-Konkurrenten zu machen.

Und dieser ist leider ernüchternd. Zwar dauert es nun bekanntlich noch bis zum nächsten Jahr, bis man auch auf Sonys Flaggschiff seine Runden in allerlei Edelkutschen drehen darf, so dass noch genug Zeit für das Feintuning übrig bleibt, spielerisch hat sich jedoch nach jetzigem Stand kaum etwas getan.

Wie schon bei uns in den News berichtet, verfügt auch der vierte Teil von Gran Turismo über keinerlei Schadensmodelle und sei es auch nur optisch. Boxenstopps werden nur aufgrund nunmehr integrierter Simulation eures Tankinhalts notwendig. Je nach Modell und Fahrweise verbratet ihr nun unterschiedlich viel Benzin, so dass es während besonders langer Rennen immer mal wieder zum Nachtanken geht.

Ebenfalls ein deutliches Plus an Realität erhält der Titel durch eine nochmals gesteigerte Simulation des Bordcomputers. Traktionskontrollen können nun feiner eingestellt werden und ein schon stellenweise erschreckender Tuningpart dürfte Autonarren frohlocken lassen. Zumindest bis sie die ersten Runden mit ihrem perfekt eingestellt Gefährt absolvieren und mit dem größten Problem der Serie konfrontiert werden.

Scheinbar hat es Polyphony wiederum für unnötig befunden, die künstliche Intelligenz des Fahrerfeldes aufzuwerten. Eure Widersacher fahren immer noch stur auf Ideallinie, schubsen euch aus dem Weg, sofern ihr ihre Fahrbahn kreuzt, und neigen zudem zur verstärkten Pulkbildung. Kurz gesagt: Gerade bei diesem Aspekt hat sich im Vergleich zu Teil 3 bisher überhaupt nichts getan. Einzig der versprochene, aber noch nicht integrierte Online-Modus könnte auch ohne Splitscreen-Einschränkungen oder LAN-Gebärden für dauerhaft herausfordernde Gegner sorgen.

Während die spielerischen Aspekte sich also bis dato auf dem Niveau des Vorgängers befinden, hat sich zumindest grafisch einiges getan. Vor allem die New York-Strecke überzeugt mit extrem detaillierten Texturen, vielen Details und allen möglichen Animationen, welcher der Strecke das nötige Leben einhauchen.

Im direkten Vergleich können die Stadtparcours von Project Gotham Racing 2 zwar mit einer deutlich höheren Polygon-Anzahl punkten, doch gerade die vielen Animationen der Leuchtreklamen der New Yorker Innenstadt sorgen dafür, dass unter dem Strich Gran Turismo 4 optisch den besseren Eindruck hinterlässt, sieht man von einem allgegenwärtigen Kantenflimmern einmal ab.

Fazit

Kudos hat sich dieses Mal vor allem Bizzare Creations verdient! Die Fortsetzung zum ohnehin schon guten Project Gotham Racing konnte nochmals zulegen und zeigt deutlich auf, wie ein modernes Arcade-Rennspiel auszusehen hat. Das Handling setzt plattformübergreifende Maßstäbe und weckt freudige Erinnerungen an Sega Rally auf dem Saturn, das Streckendesign ist im Vergleich zum Vorgänger nun deutlich abwechslungsreicher und auch an den technischen Aspekten wurden nochmals gefeilt. Zwar wirkt die Optik trotz fotorealistischer Straßentexturen und kleinen Details wie animierte Vögelschwärme am Himmel oder aufwirbelndes Laub am Straßenrand leicht steril und leblos und auch die Begrenzung der Bildwiederholungsrate auf 30 Bilder pro Sekunde macht sich in den späteren Rennen durch minimalen Mängel in Sachen Geschwindigkeitsgefühl bemerkbar, dennoch spielt der Titel unterm Strich in der technischen Oberliga mit und überzeugt vor allem im akustischen Bereich vollends. Als ob dies nicht schon Kaufgründe genug wären, gibt es noch einen rundum gelungenen Onlinemodus oben drauf. Egal ob ihr euch neue Wagen herunterladet oder mit bis zu sieben weiteren Verkehrsündern um die Wette driftet, Spielspaß ist hier auf Monate garantiert. Kurzum: Kaufen!

Project Gotham Racing 2 [XBOX , Justgamers]

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