Red Dead Revolver

Review
Plattform
Microsoft XBOX
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Rockstar Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Red Dead Revolver [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

76%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Befriedigend

Red Dead Revolver

Tief im Westen

Betrachtet man sich die jahrelange Entwicklungszeit von 'Red Dead Revolver' genauer, fällt auf, dass das ursprüngliche Konzept vom japanischen Publisher Capcom stammt. Das mit dem Projekt beauftragte Entwicklerhaus Angel Studios (jetzt Rockstar San Diego) präsentierte den Westernshooter erstmals auf der E3 2002. Aufgrund der durchschnittlichen Qualität blieb dem Spiel aber größeres Interesse verwehrt. Ein paar Monate später kam es wie es kommen musste und die Japaner ließen die Entwicklung fallen. Kurze Zeit später kaufte Rockstar Games das arbeitslose Entwicklerstudio mitsamt 'Red Dead Revolver' auf. Unter der Federführung der GTA-Macher wurde das Italowestern-Spektakel dann schließlich fertiggestellt. Wie man es von den GTA-Spielen her gewohnt ist, machen die Rockstar-Entwickler in jeder Hinsicht Nägel mit Köpfen.

So fängt schon die Story das typische Westernflair ein: Nachdem der junge Red mit ansehen musste, wie sein Zuhause von Banditen überfallen in Flammen aufging und seine Eltern dem Kugelhagel zum Opfer fielen, sinnt er nach Vergeltung. Viele Jahre später nach dem tragischen Tod seiner Eltern durchstreift Red als Kopfgeldjäger den Westen. Immer ist er auf der Suche nach den brutalen Mördern und von Rachegedanken geplagt. Als er eines schönen Tages auf ein paar herumstreunende Schurken trifft, ist die Zeit der Vergeltung gekommen...

Das Leben eines Bounty Hunters

Der Storymodus führt euch durch 25 mehr oder weniger abwechslungsreich angelegte Missionen. Der erste Schusswechsel erwartet euch schon auf der heimatlichen Farm. Das Tutorial-Level erzählt euch dabei nicht nur die Hintergrundgeschichte, sondern macht euch auch mit den grundlegenden Aktionen wie Schießen und in Deckung gehen vertraut. Nach einer weiteren auf alt getrimmten Zwischensequenz findet ihr euch in der Rolle des gegenwärtigen Red wieder.

Der nächste Auftrag führt euch in eine typische Geisterstadt mitten in der Wüste. Ziel ist es, alle Angreifer inklusive Bossgegner zu erledigen. Hierzu presst ihr euch an Hauswände, Zäune oder sonstige Deckung bietende Verstecke. Nun könnt ihr mit Gewehr und Pistole im Anschlag gesichert und aus der Schutzposition heraus eure Gegner aufs Korn nehmen. Zusätzlich hilft euch die limitierte Dead Eye-Methode in brenzligen Situationen aus der Patsche.

Diese Option erinnert an die Bullettime eines anderen sehr erfolgreichen Take 2-Titels. Auf Knopfdruck zückt ihr eure Waffe und aktiviert den Dead Eye-Modus. Jetzt visiert ihr die sich in Zeitlupe bewegenden Gegner an. Je nachdem, wie viele Kugeln sich in der Trommel eurer Pistole befinden, werden die feindlichen Revolverhelden markiert. Ein erneuter Tastendruck feuert die Kugelsalve auf die chancenlosen Gegner ab. Bei euren Streifzügen trefft ihr aber nicht nur auf pausenlose Schusswechsel, sondern müsst in typischer Western-Manier Duelle von Mann gegen Mann für euch entscheiden. An Schlüsselpunkten fordern euch die gesetzlosen Banditen zu typischen High Noon-Duellen heraus.

Hier müsst ihr ebenfalls in Windeseile eure Waffe ziehen und den Herausforderer mit Zielpunkten markieren. Habt ihr ausreichend kritische oder entscheidende Trefferzonen anvisiert, geht der Sieg begleitet von einer netten Sterbesequenz des Gegners an euch.

Für eine Handvoll Dollar

Im Verlauf der Geschichte von 'Red Dead Revolver' wird so gut wie kein Westernklischee ausgelassen. So bringt ihr direkt nach dem Feuergefecht in der besagten menschenleeren Kleinstadt, den verwundeten hiesigen Sheriff in die nahegelegene Stadt Brimstone. Ihr nehmt natürlich die Dampflok, und wie es der Teufel will wird diese natürlich von Banditen überfallen. Jetzt kämpft ihr euch vom Passagierwaggon bis zum Lokführer vor und ballert was das Zeug hält auf die angreifenden räudigen Hunde. Doch damit nicht genug: im Stadtsalloon erwartet euch z.B. eine zünftige Keilerei mit haufenweise betrunkenen Gringos.

Vom ortsansässigen Sheriff gibt’s u.a. einige weitere Kopfgeldjäger-Jobs. So müsst ihr einmal eine Bordellwirtin aufspüren, die sich mit ein paar Unruhestiftern im weiten Canyon verschanzt hat. An anderer Stelle will ein englischer Pistolero aus den Fängen eines durchgedrehten Wanderzirkus' befreit werden. Ein anderes Mal schickt euch der Gesetzeshüter auf einen Friedhof, um einem berüchtigten Anführer einer Bande von skrupellosen Desperados das Handwerk zu legen.

Aber nicht nur Red geht seinen Pflichten nach, in regelmäßigen Abständen schlüpft ihr auch in die Haut eines anderen Protagonisten. So bekämpft ihr zum Beispiel in der Rolle des gerade befreiten Engländers Jack Swift den Chef der Zirkusbande, verteidigt eine riesige Ranch als Cowgirl Annie Stoakes vor Auftragskillern oder bekriegt euch in der Haut des mexikanischen General Diego mit der US-Armee.

Nach erfolgreich abgeschlossenem Auftrag werdet ihr entsprechend belohnt. So gibt es für beseitigte Halunken Kopfgeld, das sich bei ortansässigen Händlern in Waffen oder allerlei Gebrauchsgegenstände umsetzen lässt.

Dabei stehen typische Westernwaffen und Argumentationsverstärker wie Trommelpistolen, Schrotflinten, Repetiergewehre oder Dynamitstangen zur Auswahl. Aber auch Waren wie ein Poncho, Stethoskop, Notizbuch oder eine Schaufel können gekauft werden. Der Erwerb dieser Waren schaltet reihenweise nachlesbare Infos zu den Waffenarten, Schauplätzen und Charakteren in einem dicken Tagebuch frei.

Wie im Film

Auch bei der Präsentation orientiert sich Rockstar San Diego eng an den Filmvorlagen des Spaghettiwesterns. Bei der Akustikkulisse fällt vor allem der Soundtrack positiv aus. Wie schon bei Rockstars Gangsterepos 'GTA: Vice City (dt.)' haben die Entwickler zahlreiche Musikstücke aus einschlägigen Zelluloidwerken lizenziert.

So lauscht ihr zum Beispiel den Klängen von Filmsongs aus dem Westernstreifen 'Die Linke und die Rechte Hand des Teufels' mit Bud Spencer und Terence Hill. Die Soundeffekte der Waffen beispielsweise stehen dem in nichts nach und auch die englische Sprachausgabe beweist Hillbilly-Charakter. Die grafische Umsetzung des Multiplattformtitels gestaltet sich sowohl auf der PS2 wie auf der Xbox sehr Filmnah. Bewusst gewählte visuelle Effekte versprühen den typischen Western-Charme.

So zum Beispiel wird die Weitsicht im Canyon durch einen Unschärfefilter verschwommen dargestellt. Aber auch passend verwaschene Texturen, schöne Licht- und Schatteneffekte sowie Spiegel- und Wasserreflexionen sorgen für echte Wild West-Stimmung. Gerade in den zahlreichen Zwischensequenzen zeigen die Entwickler Mut zur Authentizität und erzeugen mit Schmutzpartikel und Streifenbildung das Gefühl einer steinalten Filmaufnahme.

Im direkten Vergleich schneidet die Xbox-Fassung etwas besser ab. Hier läuft die Framerate stabiler und die höhere Auflösung verspricht einen Tick schärfere Optik. Die PS2 hingegen punktet durch den optionalen 60 Hz-Modus mit einem flüssigen und flimmerfreien Spielablauf.

Zu guter Letzt noch ein kurzer Blick auf die Mehrspieler-Features: es gibt drei unterschiedliche Spielmodi. Xbox-Besitzer können standardmäßig zu viert aufeinander Jagd machen, während PS2-Spieler hierfür traditionell auf ein Multitap zurückgreifen müssen. Im Kopfgeldjäger- und Sundownmodus geht es darum Deathmatch-typisch die Luft mit blauen Bohnen zu schwängern. In der erstgenannten Variante gewinnt der Spieler, der zuerst die vorgegebene Kopfgeldsumme einstreicht, wohingegen der Sieger im 'Sundown' nach Ablauf der Zeit die meisten Kills vorweisen muß.

Für echte Revolverhelden gibt es aber nur eine Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen – im Duell Mann gegen Mann. Genau das verbirgt sich hinter dem Menüpunkt 'High Noon'. Hier duelliert ihr euch genauso wie während des Storymodus, nur eben gegen einen Freund. Von Onlinefunktionen jeglicher Art hat Rockstar San Diego sehr zum Leidwesen von Fans der weltweiten Spielwiese auf beiden Systemen abgesehen.

Fazit

Die Erwartungshaltung der Fans bei neuen Rockstar-Spielen ist natürlich enorm hoch. 'Red Dead Revolver' kann da leider nicht ganz mithalten. Auf der Habenseite stehen der perfekt ausgewählte Soundtrack, typischer Italo-Westernlook und abwechslungsreiche Missionsvielfalt. Kein anderes Spiel setzt die Western-Atmosphäre besser in Szene, allerdings zerren einige Gameplay-Macken zunehmend am Nervenkostüm. Allen voran steht der unausgewogene Schwierigkeitsgrad, der euch mal locker durch die Levels huschen lässt, an anderer Stelle dann eure Geduld auf eine harte Probe stellt. Eine ungenaue Kollisionsabfrage inklusive bockiger Steuerung und eine oftmals verwirrende Kameraführung überschatten den ansonsten guten Eindruck. Spaghettiwestern-Fans mit Konsole und Rockstar-Freaks sind mit 'Red Dead Revolver' trotzdem gut bedient, der Rest sollte vor dem Kauf ein Probespiel in Betracht ziehen. 

Red Dead Revolver [XBOX , Justgamers]

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