Spy Hunter 2

Review
Plattform
Microsoft XBOX
Vertrieb
Midway Home Entertaiment Inc.
Entwickler
Rockstar Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
12
Spy Hunter 2 [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

53%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Ausreichend

Spieleinstieg

Mangelhaft

Bedienung

Befriedigend

Spy Hunter 2

Gegen die (Cosa) Nostra

In Zeiten, wo Spielhallen einen eher dubiosen Ruf genießen und man zumindest in westlichen Gefilden kaum mehr Gewinn mit klassischen Arcade-Titeln erzielen kann, kämpfen selbst SEGAs Akira oder SNKs Terry Bogart lieber auf Heimkonsolen, anstatt als Münzschlucker zu fungieren.

So verwundert es nicht weitert, dass selbst einstige Branchen-Größen wie Midway ihre Titel für den Heimsektor konzipieren. Dass man dabei nicht zwangsläufig vom Grundkonzept des erfolgreichen Automatenvorbilds abweichen muss, bewies vor knapp drei Jahren „Spy Hunter“ auf der PlayStation2, welches nun in die zweite Runde geht.

Noch immer ist der heimliche Hauptdarsteller des Spiels die fiktive Edelkutsche Interceptor. Der weiß lackierte Luxusschlitten geht mit allerlei Hightech-Equipment bewaffnet auf Verbrecherjagd, wobei die Bösewichte in „Spy Hunter“ der gemeinen Geheimorganisation Nostra angehören. Was genau Nostra plant und wieso sie eigentlich so gemein sind, erfährt der Spieler dabei nie. Sieht man von extrem seltenen, technisch dafür jedoch umso beeindruckenderen Renderzwischensequenzen ab, in denen man den Wagen in Action sieht, ab, dümpelt die Hintergrundgeschichte vor sich hin und wird bestenfalls in zusammenhanglosen Text-Briefings vorangetrieben. So ganz kann „Spy Hunter II“ seine Arcade-Herkunft hier nicht verbergen.

Und da hat es „Bumm!“ gemacht!

Dies hat jedoch auch schon beim Vorgänger kaum gestört, sofern die Action stimmt. Und krachen tut es auch bei „Spy Hunter II“ im Sekundentakt. Während ihr durch die 16 Missionen - aufgeteilt in vier verschiedenen Szenarios - rast, entledigt ihr euch unter heftigem Waffeneinsatz gegnerischen Fahrzeugen, springt über Hindernisse und sprengt ganze Gebäude in die Luft. Die Missionsvorgabe reicht dabei von einfachen Zerstörungsmissionen, bei denen ihr die gegnerische Übermacht ausschalten müsst, Rennabschnitten, bei denen ihr innerhalb einer Zeitvorgabe des Ziel erreichen sollt, über obligatorische Bosskämpfe gegen fahrende Güterzüge, bis hin zu klassischen Verteidigungs- und Eskortmissionen.

Bei Letzteren offenbart sich dann auch die erste Schwäche des Titels: Egal ob Gegner oder zu eskortierende Fahrzeuge, die künstliche Intelligenz der anderen Verkehrsteilnehmer lässt stark zu wünschen übrig, so dass es schon einmal passieren kann, dass sich ein zu beschützendes Fahrzeug selbst zerstört, indem es minutenlang gegen eine Wand fährt.

Wenn eure Mitfahrer schon gegen euch sind, sollte zumindest das eigene Gefährt überzeugen und so kommt der G-8155 Interceptor mit einer ganzen Reihe an Extras daher. Das Spektrum der Tuningmöglichkeiten reicht dabei von einem Standardmaschinengewehr, EMP-Waffen und Raketengeschossen bis hin zu Defensivwaffen wie die beliebte Öllache.

Da jedoch auch das beste Waffenarsenal in den hitzigen Verfolgungsjagden nichts bringt, wenn der fahrbare Untersatz nicht mitspielt, haben sich die Konstrukteure nebst einem Turbo auch noch einige ganz spezielle Extras einfallen lassen. Düst ihr mit eurem Wagen auf einen Fluss zu, verwandelt sich das Auto im Bruchteil einer Sekunde in eine Wasserfahrzeug.

Habt ihr schließlich zu viele Treffer während der Fahrt eingesteckt, geht die Verwandlungsfähigkeit eures Boliden noch ein Stück weiter und aus dem Auto wird kurzerhand ein wendiges Motorrad. Dieses kann dann zwar nicht mehr soviel austeilen wie sein vierrädriger Vorgänger, ist jedoch dank erhöhter Beweglichkeit dafür umso schwerer zu treffen. Trotz einer ganzen Reihe von Funktionen bleibt der Interceptor dabei erfreulich leicht zu steuern.

Man stirbt nur zehn Mal

Weniger leicht gibt sich dagegen der Schwierigkeitsgrad. War schon der Vorgänger eher ein Fall für erfahrene Zocker, dürfte das Pad in der Fortsetzung selbst bei gestählten Videospielveteranen gefährlich leben. So edel euer Interceptor auch ausgestattet sein mag, so wenig verträgt er doch. Zwei bis drei gezielte Feindtreffer reichen meist aus, um das Gefährt in Flammen aufgehen zu lassen. Dies wäre weiter nicht schlimm, würden die Missionen nicht gut und gerne fünf Minuten dauern und über keinerlei Rücksetzpunkte verfügen. So erlebt ihr es immer wieder, wie sich euer Fahrzeug kurz vor Ende einer Mission atomisiert und ihr von neuem beginnen dürft. Frust ist hier vorprogrammiert.

Da geteiltes Leid bekanntlich halbes Leid ist, kann man die extrem kurze Kampagne dabei auch in einem Kooperationsmodus bestreiten. Der erste Spieler steuert dabei den Interceptor und die Frontwaffen, während der Mitstreiter sich auf den Rückspiegel und die Sekundärwaffen konzentrieren kann. Der Nährgehalt dieses Kooperationsmodus hält sich dabei jedoch stark in Grenzen, da im Endeffekt beide Spieler kaum ausgelastet sind und sich recht schnell langweilen. Spannender ist da schon der Deathmatch-Modus, in dem man sich gegeneinander die Raketen um die Ohren schießt.

Man Technischer Blechschaden

Bis auf einige nette Explosionen sollte man dabei grafisch jedoch nicht allzu viel erwarten. Das stellenweise schon unerträgliche Flimmern weckt Erinnerungen an die Anfangszeit der PlayStation2 und auch die vielen matschigen Texturen und extrem detailarmen Polygonobjekte zeugen nicht gerade von der Programmierbegabung der Entwickler. Das gesamte Szenario wirkt zudem extrem verwaschenen und farbarm und macht es somit extrem schwierig, die grau-braunen Gegner vom grau-grünen Hintergrund zu unterscheiden. Immerhin läuft das Spektakel mit konstanten 30 Bildern pro Sekunde und einige Effekte, wie die Wagenspieglungen, sind zumindest nett anzusehen.

Akustisch sieht die Sache nur minimal besser aus: Das Peter Gunn-Theme, das Markenzeichen der Reihe, findet sich nur stark verwässert unter unzähligen, meist mauen Techno-Liedern wieder und würde man nicht ausgiebig im umfangreichen „Making of“ des Bonus Materials darauf hingewiesen werden, würde wohl niemand merken, dass einige Lieder von Pop-Ikone Vanessa Carlton beigesteuert wurden.

Die deutsche Sprachausgabe sowie die Soundeffekte selbst können dagegen durchaus überzeugen, wobei unverständlicherweise nur die Ingame-Sprachausgabe lokalisiert wurde. In den Zwischensequenzen müsst ihr mit deutschem Untertitel auskommen.

Fazit

Mit dem 2001er-Remake von „Spy Hunter“ brachte Midway zwar keinen Überflieger auf den Markt, jedoch gelang es dem Titel recht gut, das Flair des Arcade-Klassikers in die Neuzeit zu übertragen. Theoretisch eine gute Grundlage, um mit der Fortsetzung in echte Spitzenwertungsregionen aufzusteigen. Leider ist „Spy Hunter II“ seinem Vorgänger in fast allen Bereichen unterlegen. Die Grafik ist im besten Fall Mittelmaß, häufig jedoch schlicht desaströs und auch das Gameplay spielt nur noch in der unteren Kreisklasse. Wo der PlayStation2-Erstling zwar frustrierend schwer, jedoch insgesamt recht durchdacht war, ist die Fortsetzung nur noch frustig. Ohne Rücksetzpunkte fahrt ihr die selbe Mission Dutzende Male, nur um wieder kurz vor Ende von zwei bis drei gezielten Treffern eurer Gegner ins Jenseits verfrachtet zu werden. Wer nicht fanatischer Fan der Serie ist, sollte entsprechend die Finger von „Spy Hunter II“ lassen und selbst jenen empfehlen wir ein vorheriges Probespiel. Insgesamt betrachtet eine mehr als enttäuschende Fortsetzung… 

Spy Hunter 2 [XBOX , Justgamers]

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