Gesamtwertung76%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Als vor zwei Jahren das erste Syberia erschien, machten ausgehungerte Adventure-Spieler einen Freudentanz. Zwar hatte das optisch opulente Werk des französischen Künstlers Benoit Sokal so manche Macke, der mangelnden Konkurrenz wegen sah man aber gerne darüber hinweg.
Auch wenn Lucas Arts dem Genre fern bleibt, sind Adventures mittlerweile aber keine Mangelware mehr kann Syberia 2 gegen Highlights wie Black Mirror und The Westerner mithalten?
Kate trifft schließlich den Roboter Oskar und macht sich mit einem aufziehbaren Zug auf die Suche. Die wundersame Reise, die von Frankreich bis nach Russland führt, macht Kate nicht nur mit manch skurriler Gestalt bekannt, sondern verändert ihre Persönlichkeit: Anfangs eine zielstrebige Anwältin, lässt Kate schließlich ihre Vergangenheit los und setzt gemeinsam mit Hans den Weg Richtung Osten fort anstatt ihn zurück nach Valadienne zu bringen.
Hier setzt das Intro von Teil 2 an: Hans erzählt von Siberia, dessen Erkundung für ihn ein Kindheitstraum ist. Blaue Gräser bedecken die mystische Insel, Gräser welche die letzten lebenden Mammuts fressen.
Der alte, kranke Mann bittet Kate, ihn dorthin zu bringen und die Anwältin willigt ganz zum Ärger ihrer Kanzlei ein. Doch der Winter wird immer härter und so macht der Zug im nächsten Bahnhof halt um Kohle aufzunehmen. Das kleine Örtchen ist wie schon Valadienne voll von merkwürdigen Maschinen, kunstvollen Bauten und skurrilen, aber liebenswerten Gestalten. Egal ob der Barbesitzer Zirkos, der in seinem Kabarett mechanische Pferde dressiert seit sein Affe tot ist oder der ex-Soldat, der die Treppe zu seinem Gemischtwarenladen abschließt, damit die da unten nicht hochkommen, und ständig beteuert, der Staat zahle ja für alles Sokal beweist bei seinen Charakteren viel Fantasie.
Dass diese Figuren darunter natürlich auch Hans und Oskar schon am Anfang des Spiels in den Mittelpunkt gerückt werden, wirkt sich nur positiv auf die Motivation aus. So bricht Hans im Fieberwahn zusammen und braucht vom hiesigen Kloster dringend medizinische Hilfe, doch bei den Mönchen sind Frauen nicht gern gesehen.
Im Gegensatz zum Vorgänger ist man bei Syberia 2 in den ersten Spielminuten gleich mitten im Abenteuer, das bis zum Ende noch so manche Überraschung bereithält: So will sich die New Yorker Kanzlei nicht geschlagen geben und entsendet jemanden, der Kate zurückbringt
Endloses umherlaufen und Bildschirme absuchen, das lässt sich aber auch bei Syberia 2 nicht vermeiden, da viele Fragen auf Kates virtuellem Notizblock erst auftauchen, nachdem man mit anderen Charakteren gesprochen oder bestimmte Dinge gesehen hat. Apropos: Anstatt konkreter Sätze, wählt man lediglich ein Thema, beispielsweise Mission oder Hans, wobei meistens aber eh alles abgeklickt werden muss.
Dass die Gespräche dann manchmal im Nichts verlaufen, voller Worthülsen sind und sich der sich der Inhalt öfters wiederholt, ist eine Schwäche des linearen Spieldesigns. Rätselprofis fühlen sich klar unterfordert, zumal die meisten Aufgaben alles andere als einfallsreich sind abgedrehte Automaten wie im ersten Teil, findet man hier nur noch selten. Für Einsteiger mag aber gerade diese Zugänglichkeit ein Pluspunkt sein.
Die Charaktere werden diesmal als 3D-Figuren in Echtzeit in die detailliert vorgerenderten Hintergründe kopiert, wirken dank Schattenwurf und Spiegelungen aber keinesfalls aufgesetzt. Lediglich die Motion Capture-Animationen sind weiterhin ein wenig hölzern.
Nicht viel Neues gibt es in Sachen Akustik zu vermelden: Zwar begeistert wieder Inon Zurs klassischer Soundtrack, die Sprachausgabe ist aber genauso durchwachsen wie im ersten Teil. Kate Walkers Stimme mag noch in Ordnung gehen, viele Nebencharaktere werden hingegen lustlos bis schlichtweg talentfrei gesprochen. Positiv steht dem lediglich die Qualität der Effekte und die Abmischung in Dolby Digital gegenüber.
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