Gesamtwertung71%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Man mag es kaum glauben, wieder einmal ist der zweite Weltkrieg Schauplatz der Handlung eines Videospiels. Und wieder einmal orientiert sich diese Handlung am Plot eines Films. 'The Great Escape' basiert auf dem Klassiker aus 1963 mit dem deutschen Titel 'Gesprengte Ketten'. Bei diesem Kriegsfilm wirkten Stars wie Steve McQueen oder der jüngst verschiedene Charles Bronson mit, deren Alter Egos ihr im Game übernehmen dürft. Ob sich die Figuren im Spiel auch aus der Gefangenschaft befreien können, lest ihr hier unserem Review.
Im Film versuchen die abgeschossenen Piloten der Alliierten einen Weg aus dem Kriegsgefangenenlager Luft Stalag 13 zu finden. Da die deutschen Bewacher sich allerdings um weitreichende Sicherheitsmaßnahmen gekümmert haben, erweist sich dies als schwieriges Unterfangen. Die Kriegsgefangenen feilen ein Jahr lang an der Flucht. Im Finale des Films versucht Steve McQueen in einer spektakulären Szene per Motorrad zu entkommen. Bevor ihr als Spieler allerdings erst einmal so weit seid, aus dem Lager auszubrechen, müsst ihr ja zunächst einmal hineinkommen. Als Pilot eines Kampffliegers lasst ihr euch einfach aus dem brennenden Flieger fallen, nachdem ihr zuvor noch feindliche Jäger per Geschütz vom Himmel geholt habt. Mittels Fallschirm segelt ihr entspannt zu Boden, wo ihr sogleich von äußerst gastfreundlich wirkenden Nazis empfangen und in ein schwerbewachtes Kriegsgefangenenlager eingewiesen werdet.
Die Handlung wird dabei mittels Zwischensequenzen weitergesponnen. Diese Zwischensequenzen sind mit Soundschnipseln und Voice-overs der Darsteller aus dem Film akustisch unterlegt. Für Filmatmosphäre ist also gesorgt, auch wenn sich das Spiel nicht komplett an die Vorlage hält, sondern auch eigene, vom Film unabhängige Missionen bietet.
Als guter Patriot lasst ihr euch jedoch nicht einschüchtern, sondern sucht sogleich die Möglichkeit zur Flucht. Im Lager trefft ihr auf einen Tunnelbauer sowie einen Fälscher. Der Fälscher kann euch helfen Papiere herzustellen, die sich auf dem Weg durch feindliches Gebiet als nützlich erweisen könnten. Der Tunnelbauer stellt euch seinen Fluchtweg zur Verfügung. Da Ersterer allerdings ohne Vorlage nichts für euch tun kann, seid ihr zunächst gefragt. Ihr sollt im Wachhaus der Aufseher die nötige Vorlage für einen Pass besorgen.
Auszuführen sind solcherlei Besorgungsaktionen immer möglichst unauffällig. Steht ihr vor einer Tür könnt ihr praktischerweise durch das Schlüsselloch linsen und überprüfen ob die Luft rein ist. Blick nach rechts, Blick nach links, alles frei. Blick nach oben, Wetter ist auch schön, als los: Tür auf, links herum um die Ecke ins benachbarte Häuschen, Deckung suchen. Auf der anderen Seite der Behausung wieder erst einmal die Lage checken. Alles frei, es kann weitergehen.
Mit dem Blick um die Ecke Richtung Wachhaus sprintet ihr los, sobald die Wache euch den Rücken zukehrt und die Suchschweinwerfer die entfernte Ecke des Lagers absuchen. Hinter Kisten könnt ihr Schutz suchen. So pirscht ihr euch vor, bis an die Tür des Wachhäuschens. Drinnen sollte eigentlich ein Soldat Wache stehen, dieser bevorzugt aber die Stiefel auf den Tisch zu legen, und eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Damit ihr den armen, müden Soldaten nicht aufweckt und aus seinen Träumen reißt, kommt euch jetzt eure Schleich-Fähigkeit zu Gute. Mittels Schultertaste geht ihr in die Schleichposition. Eure Figur geht leicht in die Knie, verteilt das Körpergewicht akkurat, und kann jetzt ohne laute Geräusche auf dem Boden zu produzieren am Soldat vorbei in das Nebenzimmer. Dort schnappt ihr euch die Papiere, macht auf dem Absatz kehrt und schleicht wieder zum Fälscher zurück. Das funktioniert alles natürlich nicht, ohne alle paar Sekunden die Lage zu checken, denn wenn euch auch nur einer der Wachmänner sieht oder ihr ins Schweinwerferlicht geratet, kommen gleich mehrere bewaffnete Kollegen an, die euch zur Rede stellen. Dies gilt es natürlich zu vermeiden.
Der Fälscher stellt eure Papiere her, allerdings darf der Verlust der Originale nicht bemerkt werden, ist ja klar. Also müsst ihr euch noch einmal zum schlafenden Soldaten aufmachen und die Dokumente wieder an Ort und Stelle hinterlegen. Kommt ihr zurück, dürft ihr den Tunnelbauer besuchen, der euch auffordert Holz zum Abstützen des Tunnels zu besorgen. Dies macht ihr natürlich auch gerne. Und so geht das während der Schleicheinsätze munter weiter. Ihr trefft Personen, die euch helfen wollen, aber müsst zunächst immer erst etwas besorgen. Dazu stehlt ihr euch aus eurer Zelle raus, schleicht durch die Nacht, immer im Schutz des Schattens und schaltet Wachen, an denen ihr nicht vorbeikommt, sanft per liebevoller Umarmung des Genicks aus.
Die Schleichabschnitte gestalten sich leider ein wenig eintönig. Abwechslung gibt es nicht allzu oft, meist seid ihr wirklich von Punkt A nach Punkt B unterwegs, und wieder zurück. Ab und an erwarten euch besondere Aufgaben, wie das Reparieren eines gepanzerten Fahrzeugs, welches ihr für die Flucht gebrauchen wollt, oder das Aufsägen der Gitterstäbe mittels Sägeblatt. Solid Snake hatte da weit mehr drauf. Richtige Abwechslung bringen dagegen die Passagen, wo ihr auch mal das Feuereisen sprechen lassen dürft. Neben Handfeuerwaffe könnt ihr euch mit einem Schnellfeuergewehr oder einem Scharfschützengewehr der Gegner erwehren. Letzteres ist hilfreich, wenn ihr Soldaten aus der Ferne ausschalten wollt, ohne Gefahr zu laufen, dass diese noch den Alarm betätigen können. Mit der präzisen Waffe lässt sich auch viel besser zielen, als mit den anderen Knarren. Dort ist das Zielen nämlich nicht ganz so einfach. Seid ihr im vollen Lauf, könnt ihr das Schiessen schon einmal komplett vergessen, denn es gibt nur eine halbautomatische Zielerfassung, welche erst eingeschaltet wird, wenn ihr stehen bleibt.
Allzu oft arten Schusswechsel in Hektik aus, weil von hinten noch Pappkameraden erscheinen, die mittels schnellen Projektils durchlöchert werden wollen, während ihr von vorne mit dem Flakgeschütz beharkt werdet.
Die Grafik bei The Great Escape lässt einen nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen. Zwar sind die Landschaften, Figuren, Animationen und Texturen nicht wirklich schlecht, allerdings auch nichts Besonderes, sondern einfach purer Durchschnitt. Die Zwischensequenzen sind in Spielgrafik gehalten, Filmschnipsel aus der Hollywood-Vorlage bekommt ihr keine zu sehen. Die Voice-Overs von Steve McQueen hingegen sind tatsächlich aus den Filmen gesampelt. Diese klingen dann auch ein wenig dumpf, während das Gemurmel der deutschen Soldaten glasklar aus den Lautsprechern schallt.
Zu empfehlen ist übrigens die englische Tonspur, die Soldaten reden ein herrliches 'Kraut-Englisch'. Wer die Indiana Jones Filme schon mal im Original gesehen hat, weiß was gemeint ist. Aber auch der deutsche Ton ist gelungen. Die Musik ist nett, die eingängigen Melodien werdet ihr noch am nächsten Tag vor euch hinpfeifen. Das Ganze wird euch in Dolby Pro-Logic 2 präsentiert, der Raumklang kann überzeugen und klingt gut.
Leider ist die Steuerung arg gewöhnungsbedürftig. Mit dem linken Stick bewegt ihr die Spielfigur, mit dem rechten könnt ihr euch umschauen. Da es keine automatische Kamera gibt, die euch immer von hinten einfängt, müsst ihr während des Spiels immer beide Daumen auf den Sticks haben, was schon sehr nervig werden kann. Seid ihr den Häschern gerade noch entkommen und sehnt euch nach einem Speicherpunkt, so braucht ihr nicht verzagen. Das Spiel lässt sich überall abspeichern, jedoch haben die Programmierer ein nettes 'Feature' eingebaut, welches für Spannung sorgen soll. Auf dem leichten Schwierigkeitsgrad habt ihr vier mal pro Level die Möglichkeit zu speichern, bei Mittel nur drei mal, und wenn ihr ganz mutige Bürschchen seid, dann dürft ihr sogar nur zwei mal Hand an die Memory Card legen. Damit wollen die Entwickler den notorischen 'Ich speicher mal eben ab'-Spielern ein wenig mehr Adrenalin in die Blutbahn pumpen. Der Schuss geht allerdings nach hinten los, weil ihr nie wisst, wie lang der Level noch wird. So wollt ihr beim Speichern sparen, und müsst am Ende vielleicht sehr lange Abschnitte noch einmal spielen. Auch die restlichen Technikoptionen sind wenig begeisternd. Es sind weder 16:9 Funktion, 60 Hz Modus, noch eine freie Tastenbelegung in das Spiel integriert worden.
The Great Escape im Test.
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