Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Als im November 2004 der sechste Tomb Raider-Titel mit dem Untertitel The Angel of Darkness erschien, waren zahlreiche Fans der Schatzsuchenden und vollbusigen Archäologin mehr als enttäuscht. Tomb Raider: The Angel of Darkness wartete zwar mit einer spannenden und abwechslungsreichen Story auf und bot darüber hinaus dank neuer Grafikengine auch eine gute zeitgemäße Grafik, da allerdings die Steuerung vollkommen für die Füße war, mutierte der Titel schon nach kürzester Zeit zum Genreflop. Und obwohl der letzte Tomb Raider-Teil gute Verkaufszahlen erzielte, so war er trotz alledem der bisher schlechteste Teil der weltweit beliebten Action-Adventure-Serie.
Damit sich so etwas nicht noch einmal wiederholt, reagierte die Leitung von Eidos prompt: Sie entzog der für die bisherige Tomb Raider-Serie verantwortlichen Entwicklerschmiede Core Design das Projekt und verpflichtete die kreativen Köpfe von Crystal Dynamics, die vielen durch Titel wie Gex: Enter the Gecko, Pandemonium und der erfolgreichen Legacy of Kain-Serie bekannt sein dürften. Zusätzliche Unterstützung sollte das seit 1998 interne Entwicklerstudio von keinem geringeren als Toby Gard, dem geistigen Schöpfer von Tomb Raider und Vater von Lara Croft, bekommen. Gemeinsam hat das Team nun seit 2004 an dem Projekt Legend gearbeitet und es tatsächlich geschafft, der schönen Millionärstochter zurück zur alten Stärke zu verhelfen.
Lady Croft kehrt zu ihren Wurzeln zurück
Storytechnisch erzählt Tomb Raider: Legend eine andere Geschichte und knüpft nicht an The Angel of Darkness an, das bekanntlich ursprünglich als Trilogie geplant war. Auf den eigentlichen Handlungsstrang von Legend wollen wir hier jedoch nicht genauer eingehen, so viel sei aber gesagt: Lara ist wie könnte es anders sein mal wieder auf der Suche nach einem wertvollen und mysteriösen Artefakt. Dabei verschlägt es sie zu verschiedenen Kontinenten, auf denen sie es mit korrupten Machenschaften und dunkle Mächten aufnehmen muss. Der Anführer allen Übels wird dabei ein alter Bekannter aus Miss Crofts Vergangenheit sein, der allerdings eigentlich längst tot geglaubt war.
Laras Abenteuer beginnt in den bolivianischen Bergen, in denen die junge Archäologin nach dem Tiwanaku-Tempel sucht. Ziel der Reise ist ein antikes Inka-Artefakt, das in diesem Tempel verborgen sein soll und hinter dem Lady Croft bereits seit mehreren Jahren her ist. Schon nach den ersten Spielminuten in dem südamerikanischen Staat das gleichzeitig auch als Tutorial dient wird klar, dass die Entwickler von Crystal Dynamics erstklassige Arbeit geleistet haben. Wie in alten Zeiten lässt sich die Protagonistin durch das Areal steuern, wo sich auch sofort das erweiterte Bewegungsrepertoire und die komplett überarbeitete Steuerung bemerkbar machen. Dank dieser sieht Lara in ihren Bewegungsabläufen deutlich realistischer aus als in den Vorgängern und lässt sich zudem auch besser kontrollieren.
Eine der wichtigsten Neuerungen in der Steuerung ist, dass ihr endlich nicht mehr punktgenau abspringen müsst, um den nächstgelegenen Vorsprung greifen zu können. Bedeutete ein zu früher Absprung in den alten Tagen noch den frühzeitigen Bildschirmtod, so passieren solche kleinen aber fatalen Patzer jetzt nur noch in seltenen Fällen. Meist bekommt ihr bei einem misslungenen Sprung immer noch eine Kante zu fassen, allerdings nur noch mit einer Hand. Drückt ihr anschließend schnell die eingeblendete Taste, greift Lara mit der zweiten Hand nach und kann sich so vor dem Absturz retten. Seid ihr hingegen zu langsam oder drückt gar die falsche Taste, stürzt die hübsche Amazone in die Tiefe. Euer Reaktionsvermögen ist jedoch nicht nur bei falschen Absprüngen, sondern auch in den neu hinzugekommenen Quicktime-Events ähnlich denen in Resident Evil 4 gefragt. Hier gilt es in diversen Spielabschnitten entweder die Beine in die Hand zu nehmen oder eine angezeigte Tastenkombination nachzudrücken. Seid ihr auch hier zu langsam oder drückt die falschen Tasten, bedeutet das hier ebenfalls den vorzeitigen Bildschirmtod.
Ich packe meinen Koffer?
Auch Laras Equipment hat ein Update erfahren und so finden sich in ihrem Rucksack und am Gürtel nicht mehr altmodische Utensilien, sondern neustes Hightech! Beispielsweise steckt in Miss Crofts Ohr jetzt ein Funkgerät, mit dem die Aktrice stets in Kontakt mit ihren Partnern Alistair und Zip steht, welche euch mit nützlichen Hinweisen versorgen. Selbstverständlich sind auch wieder die zwei guten alten Pistolenhalfter mit dabei, die nach wie vor an Laras Schenkeln sitzen. Ebenfalls im Gepäck sind diverse Granaten, eine hell leuchtende LED-Lampe, ein Fernglas mit eingebautem Umgebungsscanner sowie ein magnetischer Enterhaken. Dieser Magnethaken ist mit das wichtigste Utensil in eurem Gepäck. Mit diesem schwingt ihr euch elegant über tiefe und weite Abgründe hinweg, zieht Plattformen zu euch heran oder räumt riesige Statuen aus dem Weg. Das funktioniert allerdings nur, wenn die betroffenen Gegenstände aus Metall sind.
Um die metallenen Gegenstände ausfindig zu machen, müsst ihr entweder Ausschau nach schimmernden Dingen halten oder vom Umgebungsscanner eures Fernglases gebrauch machen. Dieses zeigt euch sofort Objekte aus Eisen, Stahl sowie Kupfer an und offenbart darüber hinaus sogar, welche Gegenstände sich bewegen und zerstören lassen oder einen geheimen Mechanismus verbergen. Ihr seht, das Fernglas spielt in Tomb Raider: Legend ebenfalls eine wichtige Rolle und ist euch beim Lösen der zahlreichen Rätsel durchaus behilflich, weshalb ihr des Öfteren ruhig einmal einen Blick dadurch riskieren solltet. Auf eurer Reise durch die verschiedenen Kontinente müsst ihr aber nicht nur viele Rätsel und Fallen meistern, sondern euch auch mit wilden Tieren, mysteriösen Kreaturen und schwerbewaffneten Gegnern auseinandersetzen.
Behilflich ist euch dabei das automatische Zielsystem, das eigenständig den nächstgelegenen Feind anvisiert, sobald ihr eure mitgeführten Waffen zückt. Spielend leicht lassen sich so die anvisierten Gegner mit der gewählten Waffe aufs Korn nehmen oder per Nahkampftechnik außer Gefecht setzen. Die gesamte Steuerung ist bis auf die etwas schwammigen Motorradrennen in zwei Missionen schwingt sich Miss Croft sogar auf ihre PS-starke Ducati sehr gut ausgefallen und umgesetzt worden.
Stets lässt sich Lara sehr präzise durch die mit Fallen gespickten Areale manövrieren. Sollte doch einmal ein Sprung daneben gehen, euch ein Bösewicht umgenietet haben oder ein Quicktime-Event zu eurem Nachteil verlaufen sein, braucht ihr keine Angst haben, den Level noch einmal von Vorne zu beginnen. Im Spiel wurden nämlich zahlreiche Checkpoints gesetzt, die euer Vorankommen angenehmer gestallten. Ebenfalls positiv ist, dass ihr im eigentlichen Spiel innerhalb der Levels von Ladepausen verschont werdet.
Grafisch und akustisch auf sehr hohem Niveau
Optisch macht der nunmehr siebte Teil der Tomb Raider-Serie aus dem Hause Eidos einiges her und weiß mit tollen Animationen und grafischen Spielereien zu begeistern. Das sieht zwar auf PC und Xbox 360 ob der besseren Technik natürlich auch besser aus, allerdings kitzelt Laras neustes Unterfangen alles aus PlayStation 2 und Xbox heraus. Leider gab es auf der älteren PS2 des öfteren Einbrüche bei der Framerate, während die Xbox-Version konstant flüssig lief. Man sieht dennoch, dass die Entwickler redlich bemüht waren, die schöne Millionärstochter im richtigen Glanz erstrahlen zu lassen. Aber nicht nur der Hauptcharakter kann als gelungen bezeichnet werden, auch die anderen Charaktere im Spiel und die Hintergründe selbst überzeugen mit einer enormen Detailfülle, wie man sie in den letzten Teilen schmerzlich vermisst hat. Hier erwarten euch Spielabschnitte, die mit sehr viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt wurden, tolle Licht- und Schatteneffekte, realistische Spiegelungen und ein wohl durchdachtes Leveldesign.
Aber nicht nur aus grafischer Sicht weiß der Titel zu begeistern, auch akustisch hat das Game einiges zu bieten. Da wären zum einen die passende musikalische Untermalung und zum anderen die realitätsgetreuen Soundeffekte während der Kämpfe, der Schusseinlagen, der Quicktime-Events und der Motorradrennen. Auch bei der Synchronisation haben sich die Leute von Eidos nicht lumpen lassen, denn alle Sprecher klingen durchweg professionell und auch Lara hat wieder ihre altbekannte Synchronstimme von Marion von Stengel erhalten. In Sachen Sounduntermalung gibt es hier folglich wahrlich nichts zu beanstanden. Erwähnenswert ist zudem, dass ihr nach jedem beendeten Kapitel diverse Extras freischalten könnt. Unter anderem können beispielsweise neue Kostüme für Lara, die im optionalen Zeitspielmodus Verwendung finden, weitere Waffen inklusive Upgrades sowie Konzeptgrafiken freigespielt werden.
Nichtsdestotrotz sollte jeder Tomb Raider- oder Genrefan umgehend zugreifen, auch wenn er aufgrund des Vorgängers zunächst skeptisch und mit Vorurteilen an den siebten Teil herangeht. Tomb Raider: Legend bietet alles, was das Action-Adventure-Herz höher schlagen lässt und kann bedenkenlos in die Spielsammlung von Fans der schönen Archäologin aufgenommen werden. Pflichtkauf!
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Tomb Raider: Legend im Test.
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