Top Spin

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Microsoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Sport
USK
0
Top Spin [XBOX , Justgamers]

Gesamtwertung

90%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Top Spin

Die virtuelle Tenniswelt der letzten Jahre war fest in der Hand von Segas Virtua-Tennis-Reihe. Keine andere Umsetzung des weißen Sportes ermöglichte einen derart einfachen Zugang und bot dennoch ein solch forderndes Spielerlebnis. Leider beschränkte man sich bei Sega mit Portierungen allerdings nur auf den Marketingflop Dreamcast und die Playstation 2. Für Microsoft Grund genug, sich an eine eigene Tennis-Simulation zu wagen.

Zu einem wirklich guten Tennisspiel sollten Originalnamen gehören. Bei Top Spin erkaufte man sich daher die Rechte. um unter anderem Leyton Hewitt, Anna Kournikova, Pete Sampras und noch weitere bekannte Spieler einzubauen. Insgesamt sind acht männliche und acht weibliche Originalspieler enthalten. Mit diesen hat man die Möglichkeit, ein Einzelmatch zu bestreiten oder an einem Turnier teilzunehmen. Für ein kurzes Spiel zwischendurch macht dies eine Menge Spaß, aber das Herz von Top Spin ist zumindest offline der Karriere-Modus.

Früher bedeutete ein Karriere-Modus in einem Tennisspiel schlicht und einfach, dass alle wichtigen Turniere dieser Welt in einer bestimmten Reihenfolge absolviert werden mussten. Auch wenn einem Titel wie Jimmy Connor’s Tennis auf dem Super Nintendo sehr gut in Erinnerung blieben, war man dennoch froh, dass Virtua Tennis eine neue Ära für diesen Modus einleitete. Der Spieler musste nun aus einem schwachen Charakter mittels verschiedener Trainingseinheiten einen angehenden Weltranglistenersten machen. Top Spin bedient sich bei seinem Vorbild diesbezüglich ohne Umschweife. Auch hier erstellt ihr euch in dem enorm umfangreichen Editor einen individuellen Charakter und absolviert damit Trainingseinheiten. PAM Development hat aber den Karriere-Modus nicht 1:1 abgeschaut, sondern einige sinnvolle Erneuerungen eingebaut.

Es geht nun nicht mehr darum, so viele Trainingseinheiten wie möglich zu absolvieren, sondern darum, 14 Sterne auf die Attribute Vorhand, Rückhand, Volley oder Aufschlag zu verteilen. Die Sterne erhaltet ihr aber nur, wenn ihr die Übungen erfolgreich abgeschlossen habt. Neben den Sternen, die die Hauptwerte des Charakters beeinflussen, erhaltet ihr für bestimmte Fortschritte, wie beispielsweise die Nummer 1 der Welt zu werden, besondere Fähigkeiten. Da ihr nur vier Fähigkeiten bekommt, sollten diese geschickt ausgewählt werden. Entweder ihr legt Wert darauf, eure Stärken zu verbessern oder ihr bügelt eure Schwächen aus. Zur Auswahl stehen unter anderem Risikoschlag (verbessert die Fähigkeit, Risiko-Bälle zu schlagen), Stoppball (verbessert die Fähigkeit einen Stoppball zu spielen) oder Speed (verbessert die Geschwindigkeit des Spielers).

Es wird definitiv eine Weile dauern, bis ihr alle Grand Slam Titel auf den unterschiedlichen Untergründen gewinnt, denn da sich die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten auch spielerisch auswirken, bringt es in den seltensten Fällen etwas, einen reinen Rasenspezialisten zu entwickeln. Ein wahrer Champion kommt eben überall zurecht.

Müssen Entwickler stets das Rad neu erfinden? Bei PAM Development würde man diese Frage definitiv verneinen, denn auch spielerisch bedient sich Top Spin großzügig bei Virtua Tennis. Auch auf der Xbox lässt sich der Filzball vollkommen intuitiv über den Platz jagen. Mit wenigen Tasten ist es möglich, sein Alter Ego zu beherrschen und bereits sehr früh leichte Partien zu gewinnen. Möchte man allerdings die Feinheiten des Spieles erlernen, offenbart Top Spin, dass PAM doch nicht nur abgeschaut hat. Wo bei Sega quasi zwei Tasten ausreichten um das Spiel zu beherrschen, müssen bei Top Spin alle sechs Tasten benutzt werden, um größeren Herausforderungen gerecht zu werden. Es ist sehr wichtig Slice, Top Spin, Lob oder die Risiko-Schläge gekonnt einzusetzen. Speziell die Risiko-Schläge, die einen extrem harten Schlag und den Stoppball umfassen, sind oftmals sehr nützlich - vorausgesetzt man hat das Timing raus. Da diese Schläge mit den Schultertasten ausgelöst werden, erfordert das gekonnte Einsetzen eine Menge an Feingefühl, denn man muss genau zum richtigen Zeitpunkt die Schultertaste wieder loslassen, ansonsten landet der Ball im Aus oder im Netz.

Ebenfalls neu ist die ITZ-Anzeige. Diese lädt sich im Laufe des Spieles durch gelungene und vor allem riskante Aktionen auf. Zusätzlich kann man den Balken auch durch das Anpöbeln des Gegners oder durch Freude erhöhen. Je größer ihr Wert, desto einfacher werden auch Risiko-Schläge gelingen.

Sportspiele alleine gegen den Computer zu spielen macht ja durchaus Spaß, aber der ultimative Kick sind eben einfach Spiele gegen menschliche Kontrahenten – vor allem mit dem im Karriere-Modus erstellten Charakteren. Top Spin ist Teil von Microsofts X(box)S(port)N(etworks) und ermöglicht demzufolge Online-Duelle gegen menschliche Spieler. Via Headset könnt ihr euch dabei wie einst John McEnroe beschimpfen oder einfach nett unterhalten. Der Spielspaß, den ein spannendes Online-Match liefert, ist eigentlich kaum zu überbieten und so wird aus einem kurzen Spiel zwischendurch oftmals ein spannender Fünf-Satz-Krimi.

Neben dem sehr gelungenen Gameplay besticht Top Spin aber auch durch eine fulminante Optik. Die Animationen sind einfach unglaublich perfekt. Hier sieht man, wie Motion-Capturing sinnvoll genutzt werden kann. Selbst charakteristische Bewegungen wie der Aufschlag von Sampras oder der eingesprungene Schlag von Hewitt wurden eingebaut. Doch nicht nur auf dem Platz ist viel los, sondern auch abseits des Geschehens lässt sich die Grafik bewundern. Auf den Trainingsplätzen joggen im Hintergrund beispielsweise Menschen vorbei und auf den Centre Courts sieht man jeden Zuschauer animiert. Die Zuschauer sind zwar nicht sonderlich detailliert, aber dennoch absolut überzeugend.

Mindestens genau so gut gelungen ist die Soundkulisse. Speziell die Zuschauer vermitteln Tennis-Feeling pur. Verläuft ein Ballwechsel länger und auch spannend, geht ein Raunen durch das Publikum und der Punkt wird von den Fans frenetisch bejubelt. Vor dem Aufschlag kommt es oft sogar vor, dass beispielsweise „Pete“ oder „Anna“ von einem Anhänger gebrüllt wird. Die unterschiedlichen Schläge haben auch alle verschiedene Geräusche und man kann somit nur durch Zuhören erkennen, welcher Schlag benutzt wurde. Einzig musikalisch ist Top Spin nur Durchschnitt. Der gebotene Soundtrack kommt nie über belanglose Begleitmusik hinaus. Hier wäre es durchaus sinnvoll gewesen, einen eigenen Soundtrack einbinden zu können.

Fazit

Spiel, Satz und Sieg! Seit ich Top Spin auf der Games Convention gespielt habe, fieberte ich dem Release entgegen. Damals war ich mir sicher, dass uns eine neue Referenz bevorsteht. Und ich wurde nicht enttäuscht. Durch die Risiko-Schläge wurde die Steuerung des Vorbildes Virtua Tennis sehr gut erweitert und bietet somit noch mehr Tiefgang und erhöht vor allem den Simulationsaspekt. Die Grafik ist ausgezeichnet, die Soundkulisse reißt mit und dank des gelungenen Karriere-Modus haben auch Einzelspieler eine ausreichende Zeit an Spielspaß. Überragend ist Top Spin aber im Spiel Mensch gegen Mensch. Wer noch kein Xbox-Live besitzt und sich nur halbwegs gerne mit Sportspielen beschäftigt, darf Top Spin als gewichtiges Argument für das Online-Portal von Microsoft ansehen, wobei der Spielspaß aber auch im Einzelspieler-Modus herausragend ist.

Top Spin [XBOX , Justgamers]

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