Tron 2.0 - Killer App

Review
Plattform
XBOX
Vertrieb
Buena Vista
Entwickler
Digital Extremes
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
12
Tron 2.0 - Killer App [XBOX , looki.de]

Gesamtwertung

75%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Tron 2.0 - Killer App

Schon vor 20 Jahren wurden Hackerträume wahr: In dem Disney-Film 'Tron' trat ein Mensch in digitalisierter Form die Reise ins Innere eines Computers an. Und obwohl der Streifen den jüngeren unter uns nicht sonderlich bekannt sein dürfte, freuten sich auch hier einige Fans darüber, dass die abgefahrene Story in dem PC-Spiel Tron 2.0: Killer App fortgeführt wurde. Ob auch die Xbox-Umsetzung etwas taugt, das erfahrt ihr im folgenden Review.

Digitalize me!

Insgeheim haben wir es doch schon immer gewusst: Der Computer lebt! Wer von uns hat nicht schon einmal vor seinem PC gesessen und sich ratlos gefragt, warum er dieses oder jenes Spiel nicht zum Laufen bekommt oder was mit dem Half Life 2-Save passiert ist, der sich gestern noch auf der Festplatte befand und nun in den unendlichen Weiten des Betriebssystems verschwunden zu sein scheint. Bugs, Runtime Errors und Bluescreens zwingen uns zum Download immer neuer Patches und Updates, manchmal hilft auch nur noch eine Neuinstallation von Windows oder ein kräftiger Tritt gegen das Gehäuse. Oder beides. Jedenfalls setzte der Film 'Tron' genau hier an und zeigte uns die Welt der Bits und Bytes aus einer anderen Perspektive: Eine künstliche Intelligenz, welche als Master Control Programm bekannt war, riss die Macht über die virtuelle Welt an sich. Als sie versuchte, ihre Kontrolle auch auf unsere reale Welt auszudehnen, digitalisierte man den Programmierer Kevin Flynn und schickte ihn in den Kampf gegen das MCP und seine Schergen. Mit Hilfe des Sicherheitsprogramms TRON gelang es ihm schliesslich, die Macht der KI zu brechen und in unsere reale Welt zurück zu kehren.

Die Story von Tron 2.0: Killer App spielt 20 Jahre nach den Ereignissen des Films. Der Computerspezialist Alan Bradley, welcher in der Vergangenheit zuständig war für die Programmierung von TRON, hat nach zahllosen schweisstreibenden Experimenten endlich eine künstliche Intelligenz zusammengebastelt, mit der der komplette genetische Bauplan eines Menschen digitalisiert werden kann. Leider wird Ma3a, so nennt unser Frankenstein die von ihm geschaffene KI, von einem unbekannten Virus befallen, welches scheinbar von der mächtigen fCon-Gesellschaft eingespeist wurde. Mit Hilfe der so manipulierten Ma3a hoffen die Herren im Vorstand jener Organisation, bald eine Armee von Hackern digitalisieren und auf das Internet loslassen zu können. Diese so genannten DataWraiths sollen aber nicht etwa eingesetzt werden, um Counterstrike-Server lahm zu legen (was schlimm genug wäre), sondern sie sollen die Systeme von Banken infiltrieren, ganze Netzwerke von innen heraus übernehmen und so die Weltwirtschaft in den Kollaps treiben. Da Alan frühzeitig dahinter kommt, wird er kurzerhand gekidnappt. Als sein Sohn Jet macht ihr euch nun auf, das Vorhaben der fCon zu vereiteln und euren Vater zu befreien. Doch zunächst einmal muss Ma3a von dem Virusbefall gerettet werden. Also werdet ihr digitalisiert und in eine Welt aus kastigen Bits und Bytes, umher schwirrenden Nullen und Einsen und knalligen Neonlichtern geschickt.

Patch me up!

Vom Gameplay her ist Tron 2.0: Killer App im Prinzip ein Egoshooter mit einigen Elementen aus anderen Genres.

So bewegt ihr euch die meiste Zeit über in der klassischen First-Person-Perspektive über die Datenhighways innerhalb des Netzwerks, weshalb es für die Programmierer wohl nahe lag, die altbewährte Halo-Steuerung fast 1:1 zu übernehmen. Das Waffenarsenal reicht dabei von einfachen Blastern, Schlag- und Schockstäben und Kugelbomben bis hin zu einem Diskus, der immer zu euch zurück kommt und auch zum Abblocken von Geschossen verwendet werden kann.

Alle Waffen außer der Disk benötigen statt Munition, Energie aus eurer Batterie, mit Hilfe derer ihr auch wichtige Subroutinen, Emails und Passwörter aus den überall herumstehenden Datenbausteinen herunterladen könnt. Ballert ihr also zuviel in der Gegend herum, dann müsst ihr zunächst eine Möglichkeit finden, euer Energieniveau wieder auf Vordermann zu bringen. Gott sei Dank sind in den virtuellen Gängen alle paar Meter Patches verteilt, mit denen ihr Lebens- und Batterieenergie regenerieren könnt. Vor allem die Health-Anzeige solltet ihr ständig im Auge behalten, denn selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad könnt ihr euch bei einem Treffer der Gegner sofort von einem großen Stück eurer Lebensenergie verabschieden.

Leider werden dadurch Gefechte mit mehreren Opponenten unnötig schwer und hektisch, zudem latscht ihr öfters mit nur noch einem winzigen Rest an Energie durch die endlosen Gänge, nur um kurz vorm Ausgang doch noch von einem Querschläger erwischt zu werden. Zum Ausgleich für diese frustrierenden Momente gibt es aber auch auf der Xbox die Möglichkeit, jederzeit und überall zu speichern.

Die Bekämpfung von Gegnern steht übrigens weit weniger im Vordergrund als bei anderen Egoshootern, oft sind stattdessen Schalterrätsel zu lösen und dabei eine Menge Laufarbeit zu leisten. Dazu sprecht ihr auch mit anderen Programmen und entlockt ihnen Sätze wie 'Me, a Bit?! Ha, I´m a BYTE, so watch your mouth!' oder 'Sorry, I´m just an email-script, so I don´t know anything.', aber daneben auch hilfreiche Infos darüber, was als nächstes zu tun ist. Interne Firewalls müssen mit den eben schon genannten Passwörtern umgangen oder ausgeschaltet, IP-Transporter aktiviert und Energiesperren deaktiviert werden, wenn ihr weiterkommen wollt. Auch Hüpfpassagen auf frei im Raum schwebenden Datenblöcken sind keine Seltenheit. Nebenbei gibt es auch Abkürzungen und Geheimgänge zu entdecken, die zum Erforschen einladen und mit Bonuswaffen oder einer neuen Subroutine locken. Unter letzterem versteht man Upgrades, die ihr auf der Festplatte von Jet speichern könnt und mit denen fast schon so etwas wie ein RPG-Element ins Spiel kommt: Die Anzahl der aktivierbaren Upgrades ist nämlich begrenzt. Ihr könnt entweder schleichen, höher springen, schneller laufen oder eure Defensiv- oder Offensivwerte verbessern, für alles zusammen habt ihr zu Anfang schlichtweg nicht genug Speicherkapazität. Das ändert sich erst, wenn ihr die über die Levels verteilten Build Points findet und einsammelt. Auch die einzelnen Versionen der Upgrades können nochmals kräftig aufgebohrt werden, wenn ihr die entsprechenden Dateien downloadet.

Ein witziges Goodie sind die kultigen Lichtmotorradrennen, die ihr von einem bestimmten Zeitpunkt an spielen könnt: Auf einem kariertem Raster aus Lichtstrahlen fetzt ihr mit einem Bike durch die Gegend und zieht dabei eine Mauer aus Licht hinter euch her. Ziel ist es dann, die Gegner in die Mauer crashen zu lassen, was einfacher gesagt ist als getan. Oft findet ihr auf dem Raster auch Power Ups, die euch das Rennen erleichtern. Neben einer eigenen Liga und einer Handvoll verschiedener Karten machen freischaltbare Klassen und Boni die Lichtrennen zu einem Spiel im Spiel. Vor allem mit mehreren Mitspielern machen die Rennen dabei durchaus Laune, alleine dagegen sind sie dann doch etwas zu simpel, um längerfristig fesseln zu können. Apropo Multiplayer: Die Optionen hier können sich wirklich sehen lassen. Neben den üblichen Deathmatches und Domination-Modi über Internet, System Link oder Splitscreen können hier auch die Lichtrennen oder eine Mischung aus beidem gegeneinander gespielt werden.

Tear me down!

Während man beim Spielprinzip nicht viel kaputt machen konnte, hat man bei der Konvertierung der Grafik vom PC auf die Xbox leider etwas geschlampt. Vor allem das hässliche horizontale Zeilenflackern bei schnellen Drehungen fällt von Anfang an unangenehm auf, auch der eine oder andere Ruckler sorgt beim von Halo´scher Bombastgrafik verwöhnten Zocker für ein ärgerliches Stirnrunzeln. Meine Vermutung ist, dass man sich bei Buena Vista einfach nicht genug Zeit für die Umsetzung genommen hat, immerhin war eine solche auch zunächst gar nicht geplant. Vor allem die ohnehin schon schweren Kämpfe mit der Disk leiden erheblich darunter, zumal eure Gegner nur selten daneben schiessen.

Dennoch weiss die grelle Computeroptik vom Desing her zu gefallen, auch eure digitalisierten Widersacher sehen cool aus. Nicht Besonderes, aber eben doch mit einem gewissen nostalgischem Charme. Die Lichtrennen sind grafisch ebenfalls eher spartanisch, allerdings geht das noch insoweit in Ordnung, als dass sie recht schnell und hektisch sind und ihr so wenigstens nicht abgelenkt werdet. Die Soundkulisse kann dagegen überzeugen, die Designer haben so ziemlich alles an Sounds verwurstet, was mein PC in den letzten Jahren von sich gegeben hat. Lediglich auf das bescheuert summende Laufgeräusch hätte man von mir aus gerne verzichten dürfen.

Fazit

Die Atmosphäre des Films wurde durch die Optik trotz der leider nur unzureichenden technischen Konvertierung vom PC auf die Xbox ebenso gut eingefangen wie durch die Verwendung von Begriffen aus dem Themenfeld rund um den Computer. Man muss schon manchmal grinsen, wenn sich die anderen Programme über Software-Fehler unterhalten, als wären es Krankheiten. Jedenfalls ist es nett zu sehen, mit welcher Liebe zum Detail die Designer dieses Flair mit all den Upgrades, Patches, Datenknoten, IP-Adressen, downloadbaren .zip-Archiven usw. eingefangen haben. Für einen Hit reicht das aber nicht ganz: Die Kämpfe sind zu schwer und mitunter zu hektisch, dazwischen gibt es viel zu viele Passagen, die nur mit endloser Lauferei auf der Suche nach dem nächsten Ausgang und frustrierenden Hüpfeinlagen gefüllt sind. Schade um die guten Ansätze bei dem System mit den Upgrades und um die doch recht spannende Story, die immer die eine oder andere Wendung parat hat. Unterm Strich ist Tron 2.0: Killer App damit für Egoshooter- und Computerfreaks einen Blick wert, wenn sie mit Halo 2 nicht ausgelastet sind, und für die älteren unter uns, die die Atmosphäre des Films nochmal nachempfinden wollen und dabei großzügig über die genannten Mängel hinwegsehen können.

Tron 2.0 - Killer App [XBOX , looki.de]

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