Gesamtwertung81%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Lange haben Shooter-Fans aus aller Welt auf diesen Moment gewartet. Nur noch wenige Tage trennen euch von 'Unreal 2 - The Awakening'. Aber ob sich das Warten auf die sagenumwobene Fortsetzung von 'Unreal' gelohnt hat oder ob Epic beim Schluss-Spurt noch ins Stolpern geraten ist, verrät unsere ausführliche Review. Macht Euch auf eine Überraschung gefasst....
Soap Opera oder Weltraumabenteuer?
Stell dir vor, du bist Streifenpolizist in der Lindenstraße. Komplett tote Hose. Aber urplötzlich wird im Keller von Else Kling das sagenumwobene Bernsteinzimmer gefunden und alle Welt will an diesen Schatz ran du eingeschlossen. Was jetzt so klingt, als ob ich im Suff begonnen hätte, zu schreiben, ist in Wahrheit eine sehr vereinfachte Darstellung der Story von Unreal 2 The Awakening, dem lang ersehnten Nachfolger des Mega-Hits Unreal.
Was grade eben noch die Lindenstraße war, ist in Unreal 2 ein recht langweiliger und öder Sektor in den Weiten des Alls und unser Streifenpolizist ist im epischen pardon epicschen Mega-Shooter Weltraum-Sheriff John Dalton. Von einem Tag auf den anderen verwandelt sich Dalton`s langweiliges Einsatzrevier in den meist umkämpften Platz im Universum, denn auf mehreren Planeten des Systems werden geheimnisvolle Alien-Artefakte entdeckt. Und die will jeder haben, auch die etwas schleimigeren Bewohner der Galaxis. Und dass sich alle Beteiligten jetzt nicht an einen Tisch setzen und fair verhandeln, versteht sich wohl von selbst.
Unreal 2 liegt die derzeit wohl beste Grafikengine des gesamten Spielemarktes zugrunde. Dementsprechend sieht es auch aus. Atmosphärisch gestaltete Innenlevels wechseln sich mit prachtvollen und fantastisch aussehenden Landschaften und Außenlevels ab, wobei letztere leider etwas zu kurz kommen. Dennoch echte Wow, sieht das geil aus-Momente bleiben im Gegensatz zum Vorgänger aus. Es scheint, als hätten die Entwickler nicht das gesamte Potential der genialen Engine genutzt. Heimlicher (Grafik-)Held des Spiels ist wohl der Flammenwerfer. Noch nie gab es in irgendeinem Spiel schönere und realistischere Feuereffekte zu bestaunen. Da macht das Gegner grillen gleich doppelt Spaß. Aber zu den Waffen später mehr. Um Unreal 2 in seiner Schönheit bestaunen und dennoch flüssig spielen zu können ist ein schneller Rechner mit mindestens 1,2 GHz und einer ebenso fixen Grafikkarte, mindestens vom Kaliber GeForce 3 Ti, nötig. Tuning-Optionen für schwächere Rechner bietet das Programm genügend, entsprechende Grafik- und Detaileinbußen muss man aber schmerzlich in Kauf nehmen.
In Unreal 2 müsst ihr Euch in insgesamt 13 Missionen, angesiedelt auf 10 verschiedenen Planeten, stürzen. Dabei sind die Umgebungen erfreulich abwechslungsreich gelungen. Einmal schlagt Ihr Euch durch einen tropisch anmutenden Wald, ein anderes Mal stapft Ihr über eine dicht eingeschneite Planetenoberfläche. Auch recht abstruse Level gibt es zu entdecken. So findet sich John Dalton einmal im Inneren eines riesigen, einen ganzen Planeten bedeckenden, Lebewesens. Dabei haben die Entwickler ihre Fantasie freien Lauf gelassen. Etwas ernüchternd wirken im Gegensatz dazu die zahlenmäßig überlegenen, teils tristen Innenlevels.
Cutscenes in Spielgrafik erzählen die stellenweise dünne Story weiter. Auf Euerem Schiff, der Atlantis, trefft Ihr im Spielverlauf auch auf die Besatzung, darunter Waffenexperte Isaac und die sexy Pilotin Aida, die Euch auch in den Missionen über Funk Hilfestellung gibt. In einigen Missionen haben die Entwickler durchaus clevere Ideen eingebaut.
So müsst Ehr Euch nicht nur einmal mit Laserzäunen und Geschütztürmen eine provisorische Basis aufbauen, um Euch zu verteidigen und auf das rettende Raumschiff zu warten. Ein Ressourcen-Sammeln wie z.B. bei C&C gibt es nicht, das würde auch zu sehr in den Strategie-Sektor fallen. Dennoch eine sehr schöne Idee, die aber leider etwas kurz kommt.
Da hätte man mehr daraus machen können. Generell wird Euer Köpfchen bei Unreal 2 bis auf wenige Ausnahmen kaum angestrengt. Im Großteil des Spiels ist Ballern bis zum Abwinken gefragt. Rätsel gibt es bis auf einige Schaltereien kaum und auch taktisches Vorgehen oder Schleichen ist fast nie gefragt. Aber Geduld, Splinter Cell ist nicht mehr weit. Damit fleißig geschossen werden kann, versorgen Euch die Entwickler mit 12 mehr oder weniger durchschlagskräftigen Waffen. In diesem Waffenarsenal findet Ihr u.a. das obligatorische Sturmgewehr, die Standard-Waffe in Unreal 2.
Außerdem natürlich ein spezielles Scharfschützengewehr, einen schicken Rocket Launcher, den oben bereits hoch gepriesenen Flammenwerfer, eine durchschlagskräftige Shotgun mit einem brandheißen sekundären Feuermodus und diverse, von Isaac umgemodelte Alien-Waffen, die Ihr im Laufe des Spiels erbeutet. Munitions- und Medikits sind fair im Spiel verteilt, außerdem gibt es immer mal wieder Ladestationen, um die Ballermänner und die Gesundheit aufzutanken.
Diese schönen Ballermänner bringen Euch aber herzlich wenig, wenn sich Euch niemand in den Weg stellt. Und weil das ja dann auch witzlos wäre, werfen sich insgesamt satte 24 Gegnertypen in die Schussbahn.
Eklige, schleimige Kriechtiere und riesige Spinnen, die gerne im Massenverband auftreten, gehören ebenso dazu wie menschliche Söldner, etwas merkwürdige Amazonenkriegerinnen und natürlich die gefürchteten Skaarj, die im Gegensatz zu manch anderen Gegnertypen beängstigend clever reagieren und sich als harte Gegner präsentieren.
Aber damit es die feindlichen Schergen bei Beschuss auch schön auf die außerirdische Waffel semmelt, kommt auch in Unreal 2 die Havoc-Physikengine zum Einsatz, die die Gegner effektvoll und physikalisch korrekt Treppen und Hänge runterpurzeln lässt. Den netten Effekt kennen wir ja bereits aus Unreal Tournament 2003. Die deutsche Version unterscheidet sich im Gewaltgrad nur wenig von der US-Version. Es gibt ein paar Tropfen Blut weniger und einige Zwischensequenzen wurden entschärft, ansonsten aber bleibt alles im Original-Zustand. Außerdem ist die deutsche Version, wie sichs gehört, natürlich voll übersetzt und leider nicht ganz glücklich synchronisiert. Die Stimmen sind teilweise nicht wirklich synchron zu den Mundbewegungen der Charaktere und außerdem nicht wirklich passend auf die Charaktere zugeschnitten. Schade.
Dafür passen sich Tiergeräusche und Wasserplätschern sehr schön ins Spielgeschehen ein. Die Musikuntermalung ist gelungen, verschwindet aber zu sehr im Hintergrund. Hier hätte man sich als Spieler wohl etwas dominantere Klänge gewünscht. Die Waffengeräusche sind guter Standard. Hier gibt es nichts zu meckern, eine Revolution lässt sich aber dabei auch nicht entdecken. Dennoch gerade Besitzer einer Surround-Anlage kommen insgesamt in einen Soundgenuss, der sich wahrlich sehen, äh hören lassen kann.
Unreal 2 - The Awakening im Test.
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